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Altstadt & Tourismus
Zwergelgarten, Bastionsgarten, Wasserbastei

Barocke Zwerge: wer ist wer?

Sich selbst aktiv auf den Weg machen
Ein kleiner Spaziergang von Zwerg zu Zwergin und Zwerg informiert über interessante Details und ringt dem Betrachter Hochachtung vor so mach GROSSEM Zwerg ab und löst gleichzeitig auch ein Schmunzeln über ihn aus.
Maßstabgerecht historischer Zwergelgarten und Bastionsgarten. Die kleinen roten Quadrate sind die originalen Zwergenstandorte auf ihren Podesten, siehe letztes Galeriebild.
Mehr Information über die einzelnen Zwerge nach der Bilderübersicht:

Zwerg mit dem Zwicker Zwerg mit dem Zwicker
© honorarfreies Pressebild: Stadtgemeinde Salzburg, J. Killer
Zwerg mit Zwicker Zwerg mit Zwicker
© honorarfreies Pressebild: Stadtgemeinde Salzburg, Dr. R. Medicus
Zwergin mit Zwiebelbund Zwergin mit Zwiebelbund
© honorarfreies Pressebild: Stadtgemeinde Salzburg, J. Killer
Zwergin mit Zwiebelbund Zwergin mit Zwiebelbund
© honorarfreies Pressebild: Stadtgemeinde Salzburg, Dr. R. Medicus
Zwerg mit der Gartenvase Zwerg mit der Gartenvase
© honorarfreies Pressebild: Stadtgemeinde Salzburg, J. Killer
Zwerg mit Gartenvase Zwerg mit Gartenvase
© honorarfreies Pressebild: Stadtgemeinde Salzburg, Dr. R. Medicus
Zwerg mit dem Holzbein Zwerg mit dem Holzbein
© honorarfreies Pressebild: Stadtgemeinde Salzburg, J. Killer
Zwerg mit Holzbein Zwerg mit Holzbein
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Zwerg mit dem Nockentopf Zwerg mit dem Nockentopf
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Zwerg mit Nockentopf Zwerg mit Nockentopf
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Zwerg mit dem Huhn Zwerg mit dem Huhn
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Zwerg mit Huhn Zwerg mit Huhn
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Zwerg mit dem Grabscheit Zwerg mit dem Grabscheit
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Zwerg mit Grabscheit Zwerg mit Grabscheit
© honorarfreies Pressebild: Stadtgemeinde Salzburg, Dr. R. Medicus
Zwerg mit dem Turban Zwerg mit dem Turban
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Zwerg mit Turban Zwerg mit Turban
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Zwerg mit der Butte Zwerg mit der Butte
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Zwerg mit Butte Zwerg mit Butte
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Zwerg mit Butte Zwerg mit Butte
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Zwerg mit der Rettichtasche Zwerg mit der Rettichtasche
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Zwerg mit Rettichtasche Zwerg mit Rettichtasche
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Zwerg mit dem Spaten Zwerg mit dem Spaten
© honorarfreies Pressebild: Stadtgemeinde Salzburg, J. Killer
Zwerg mit Spaten Zwerg mit Spaten
© honorarfreies Pressebild: Stadtgemeinde Salzburg, Dr. R. Medicus
Zwerg mit dem Strohtaschenhut Zwerg mit dem Strohtaschenhut
© honorarfreies Pressebild: Stadtgemeinde Salzburg, J. Killer
Zwerg mit Strohtaschenhut Zwerg mit Strohtaschenhut
© honorarfreies Pressebild: Stadtgemeinde Salzburg, Dr. R. Medicus
Zwergin mit der Obstschürze Zwergin mit der Obstschürze
© honorarfreies Pressebild: Stadtgemeinde Salzburg, J. Killer
Zwergin mit Obstschürze Zwergin mit Obstschürze
© honorarfreies Pressebild: Stadtgemeinde Salzburg, Dr. R. Medicus
Maßstabgerecht historischer Zwergelgarten und Bastionsgarten. Maßstabgerecht historischer Zwergelgarten und Bastionsgarten.
© honorarfreies Pressebild: Stadtgemeinde Salzburg, Dr. R. Medicus

Der Zwerg mit dem Zwicker gehört zur Gruppe der Komödiantenzwerge, der das Thema der damals beliebten Stegreifspielen eines Kranken mit einem Arzt aufgreift. Gemeinsam mit dem untersuchenden „Dottore“ war dabei Aufgabe dieses „kranken“ Tartaglia-Zwerges mit gekonnten Wort- und Sprachverdrehungen für witzige Unterhaltung zu sorgen. Die Brille sollte als Sehhilfe die vermeintliche Hilfsbedürftigkeit des Zwerges unterstreichen.

Die Zwergin mit Zwiebelbund besitzt eine  einfache Arbeitskleidung und Stiefeln und ist hier mit ihrer Wasserkanne Teil der allegorischen Monatsdarstellungen. Diese Zwergin steht dabei für den August. Das Schürzentuch hat sie sich der Hitze wegen aufgerollt. Die Zwiebel galt damals als heilkräftig. Die glücklich lächelnde Zwiebelbäuerin bietet damit dem Beschauer damit in mehrfacher Weise Gutes und Heilbringendes an.

Der Zwerg mit der Gartenvase gehört zur Gruppe der Gartenarbeiter und zeigt die vielfältige und aufwändige Gartenarbeit im Schlosspark Mirabell. Der freundlich-dienende Gärtner mit seiner breiten Schürze hat den schweren Topf kurzzeitig auf sein linkes Bein gestellt. Einst standen im Schlosspark Mirabell - in doppelter Reihe auch rund um den Zwergelgarten -  über 500 marmorne Töpfe. Sie dienten fast durchwegs als Wurzelraum für verschiedene Citrusbäumchen, die damals ein wichtiges Symbol für die fürstliche Tugend waren. Sie waren damals gleichgesetzt mit den goldenen Äpfeln der Hesperiden, die gemäß der gfriechischen Mythologie Held Herkules, (nach andere Quellen  Perseus) mit Hilfe des Riesen Atlas aus dem göttlichen Hesperidengarten raubte um ewig jugendliches Leben  auf die Erde zu bringen

Der Zwerg mit dem Holzbein gehört mit seiner typischen Kleidung zu den Darstellungen von Komödianten. Fröhlich greift der kriegsversehrte Zwerg mit seinem angeschnallten Holzbein in ein Obstkörbchen, das hier ein Zeichen für inneren Reichtum und Glücklichkeit ist. Er trägt einen französischen Spitzkragen und Straußenfedern auf dem Hut. In der linken Hand trug er einst eine Fahne oder eine Waffe.

Der Zwerg mit dem Nockentopf ist ein Monatszwerg und steht für den Dezember. Dieser Monat wurde im Barock häufig als Wirt mit einem Humpen in der Hand personifiziert. Der Zwerg greift aber auch das damals sehr beliebte Motiv den ewig durstigen und hungrigen Dieners der Stegreifkomödiie auf. Der Zwerg trägt ein „Pulcinella“ Kostüm mit einem breiten Kostümkragen. Diese volkstümliche Figur Süditaliens stand für einen schlauen  und zugleich wieder groben und oft einfältigen, stets aber gefräßigen Diener bäuerlicher Herkunft. Die Gesprächigkeit des dargestellten Dieners auf der Schauspielbühne ist im geöffneten Mund gut zu erkennen.

Der Zwerg mit dem Huhn ist eine Monatsdarstellung und steht für den Jänner. Trotz des kalten Jänners ist das Hemd des Bauern weit geöffnet Die breit lachende Figur trägt einen breiten Hut. Das Huhn steht hier für die die Häuslichkeit aber gleichzeitig für Glück und für Wohlstand. Die in früherer Zeit verloren gegangenen Beine der Skulptur wurden später erneuter, dabei wurde die Figur um mindestens 5 cm verkürzt.

Der Zwerg mit dem Grabscheit, also einem Werkzeug zum Behauen der Gartenerde wird auch der träumende Gärtner genannt. Er steht als Monatsdarstellung für den Juni. Der gut gewachsene kleine Mann mit seinem kräftigen Schnauzbart lehnt sich von der Arbeit erschöpft an einen Baumstamm. Die linke Hand stützt sich zudem auf das langstielige Gartenwerkzeug, die rechte Hand ist ins offene Hemd geschoben. Die Darstellung reiht sich in die Gruppe der Gartenarbeiter ein, die den großen Aufwand zur Gestaltung und Erhaltung der hochfürstlichen Gärten verdeutlichen will. 

Der Zwerg mit dem Turban, der Türkenzwerg, versehen mit Turban und darauf einem Reiherfederbusch sowie einem Schnurrbart bemüht sich mit höchster Kraftanstrengung einen kleinen Baumstamm abzubrechen. Bei dem Türken handelt es sich wohl um eine Spottfigur, was angesichts damals der damals erst wenige Jahre zurück liegenden Zweiten Wiener Türkenbelagerung mit all ihren Schrecken mehr als verständlich scheint. Das Fürsterzbistum Salzburg hat für die damaligen Türkenkriege vor Wien übrigens selbst 800 Mann, 600 Fass Pulver und 400 Geschütze beigesteuert. Trotz größter Kraftanstrengung bleib damals vor Wien der Baumstamm stärker als der Türke.  Der Türke und seine Kultur wurde in der Zeit vor und nach der Zweiten Türkenbelagerung übrigens vielfach als Motiv in der Kunst Mitteleuropas aufgegriffen. Besonders bekannt ist Mozarts Entführung aus dem Serail, sehr bekannt ist aber auch das große Deckenbild von Christian Lederwasch aus dem Jahr 1693 in der einstigen Winterreitschule (heute Großes Festspielhaus), das ein sportliches Türkenstechen zeigt.  

Der Zwerg mit der Butte zählt zu den besonders gelungenen Darstellungen aus dem Reigen der italienischen Stegreifbühne. Er trägt eine für italienische Dienerfiguren damals typischen Kappe, wie sie etwa die damals volkstümlichen Figuren des Scapino oder jene des Fritellino trugen. Der breite Kragen verdeutlicht die Rolle des Zwerges als Harlekin. Die  Verwendung von Tragekörben und Butten ist bei derartigen Darstellungen nicht selten.

Der Zwerg mit der Rettichtasche trug vermutlich einst einen nicht mehr erhaltenen, wohl aus Kupfer getrieben Blumenstrauß in der rechten Hand. Damit gehört dieser Zwerg ebenfalls zur Gruppe der Gärtner, der hier dem Besucher gastlich einen bunten Blütenstrauß entgegenhält. Eine Strohtasche mit Rettichen steht hinter ihm. Der Rettich (wie wir ihn auch aus dem Wappen des Leonhard von Keutschach kennen oder auch von Fruchtgirlanden auf Renaissance- und Barockbauten der Stadt kennen) war damals ein verbreitetes Symbol für inneren Reichtum.

Der Zwerg mit dem Spaten ist ein Monatszwerg, der den März charakterisiert. In diesem Monat begann - und beginnt heute noch - die Gartenarbeit und dabei auch vielfach das Umstechen der Beete sowie zum Auspflanzen von Blumenstöcken und Bäumen. Der Zwerg zählt zu den besterhaltenen Figuren des Gartens  Der alte Gärtner ist gekennzeichnet durch einen wallenden Bart und eine Glatze. Die Beule ist wohl auf die oft gefährliche Arbeit zurückzuführen, sie mag aber auch eine Anspielung auf das „Teufelshorn“ verschiedener Harlekin-Masken sein.

Der Zwerg mit dem Strohtaschenhut stellt in seiner typischen Ausfallsstellung einen fechtenden Bühnenduellanten dar, der offensichtlich einst in beiden Händen jeweils einen Säbel trug. Im Rahmen einer Bühnenaufführung mag dabei der sonst groteske Strohtasche als Kopfbedeckung nützlich gewesen sein. Die Knollennase trägt deutlich die Züge der Vorlagen von Callot. An norditalienischen Fürstenhöfen der Renaissancezeit sind echte grotesk komische Schauspiele mit kämpfenden Zwergen mehrfach überliefert. Ein Hinweis auf eine Darstellung einer Bühnenfigur ist auch der Harlekinskragen.

Die Zwergin mit der Obstschürze ist eine besonders bekannte Zwergenfigur, die hier für den Monat September steht. Sie trägt eine aufwändige Bürgerhaube und eine gediegene Bürgerkleidung mit einem geschnürten Mieder und einen knöchellangen Rock, in den eben der Wind hineinfährt. In der rechten Hand hält sie einen Apfel hoch und reicht ihn so gleichsam dem Beschauer. Die Obsttasche und der Apfel sind Zeichen des inneren und äußeren Reichtums der schönen Zwergin.

Dr. Reinhard Medicus

Link zur Filmproduktion von Peppo Wagner: 'Der Zwergengarten Mirabell' am 31.10.2014; eine TV Dokumentation von Christian Hager

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Stand: 29.7.2015, Richilde Haybäck