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#5 Victim-Blaming: Täter-Opfer-Umkehr muss aufhören

Drei von vier Frauen haben in ihrem Leben sexuelle Belästigung erlebt. Mindestens eine davon hat bereits sexuelle Gewalt erfahren. Trotz der steigenden Sensibilisierung für das Thema und Phänomene, wie #MeToo werden Frauen nach wie vor von der Rolle des Opfers in die des Täters gedrängt. Statistiken beweisen das Gegenteil: Frauen vom Opfer zum Täter zu machen, ist in fast allen Fällen eine Verteidigungsstrategie des Beschuldigten.

Weil ich anziehen kann, was ICH will
Diese Verteidigungsstrategie beinhaltet das Lenken vom Verhalten des Täters auf die Schuldfrage des Opfers. Dazu gehört beispielsweise der kurze Rock, den die Frau getragen hat, als sie nachts alleine auf der Straße ging. Diese und weitere Anschuldigungen fallen unter den Begriff „Victim-Blaming“ oder Täter-Opfer-Umkehr. Es ist nicht der kurze Rock, der sexuelle Gewalt veranlasst hat, sondern der Täter.

"Die weibliche Kleidungswahl wurde lange dafür benutzt, sexualisierte Gewalt zu entschuldigen, wenn man sich aber die Datenlage ansieht, warum Menschen vergewaltigen, erweist sich das als nicht stichhaltig", erklären Psychologen. Das zeigt auch das Kunstprojekt einer amerikanischen Studentin. Sie portraitierte Kleidungsstücke, die Frauen trugen, als sie Opfer sexueller Gewalt wurden. Darunter Jeans, Sneakers, schlichte Tops. Fakt ist: Kleidung spielt hinsichtlich sexualisierter Gewalt keine Rolle.

Falschbeschuldigungen sind in den meisten Fällen Fake News
Schätzungen zufolge wird nur jede zehnte Vergewaltigung angezeigt. Viele Frauen schrecken vor einer Anzeige zurück, weil sie sich oft selbst die Schuld zuweisen und glauben, die Übergriffe provoziert zu haben. Aus Scham teilen sie sich niemandem mit. Bei sexueller Gewalt am Arbeitsplatz besteht außerdem die Angst vor Jobverlust und Mobbing. Hinzu kommt das Problem, dass bei Sexualdelikten oft Aussage gegen Aussage steht. Selbst, wenn forensische Beweise, wie Sekretspuren, auffindbar sind, kann sich der Täter immer noch darauf rausreden, dass es einvernehmlich war.  

Sieht man sich die Statistiken an, liegt der Anteil an Falschbeschuldigungen bei tatsächlich angezeigten Vergewaltigungen durchschnittlich bei fünf Prozent. Keine Frau profitiert von einem Vergewaltigungsvorwurf. Ganz im Gegenteil. Fälle von Falschbeschuldigungen sind so selten, dass sie es nicht rechtfertigen, jede Frau damit zu konfrontieren, die mit dem Vorwurf der Vergewaltigung an die Öffentlichkeit geht.

Tipps für betroffene Mädchen und Frauen
Viele Medienberichte im Internet oder in sozialen Netzwerken erleichtern es betroffenen Mädchen und Frauen heute, sich jemandem anzuvertrauen bzw. sexuelle Gewalt öffentlich zu machen. Auch die Erfahrungsberichte und Outings berühmter Persönlichkeiten haben hier eine Vorbildfunktion. Dadurch steigt auch die Chance auf eine Verurteilung des Täters.

Wenn Sie betroffen sind:

  • Lesen Sie sich bei einer Anzeige das Protokoll der Polizei genau durch. Spätere Ergänzungen sind oft schwierig und können dem Opfer zum Nachteil ausgelegt werden.
  • Dokumentieren Sie so schnell wie möglich Verletzungen und lassen Sie sich ärtzlich untersuchen.
  • Wenden Sie sich an spezialisierte Opferschutzeinrichtungen. Opfer sexueller Belästigung und Gewalt können telefonisch und im Internet Hilfe finden:
    Frauennotruf Salzburg: 0662 88 11 00
    Gewaltschutzzentrum Salzburg: 0662 870 100
    Frauenhelpline gegen Gewalt: 0800 222 555
  • Machen Sie sich klar: Die Schuld an der Situation liegt IMMER beim Täter.

Noch Fragen?

Stand: 3.6.2019, Richilde Haybäck