Hintergrundbild
Wirtschaft & Umwelt
 
Wasser
Almkanal

Almkanal, seine Bedeutung

Bild vergrößernKraftwerk am Almkanal; Quelle: Wassergenossenschaft Stiftsarm Almkanal

Kraftwerk am Almkanal; Quelle: Wassergenossenschaft Stiftsarm Almkanal

Bild vergrößernStollengang; Quelle: DI Wolfgang Peter, Almmeister der Wasserwerksgenossenschaft Almhauptkanal

Stollengang; Quelle: DI Wolfgang Peter, Almmeister der Wasserwerksgenossenschaft Almhauptkanal

Almkanal und Stiftsarmstollen - ein Kulturgut
Zu den besonderen Sehenswürdigkeiten des Almkanales zählt zur Zeit der dreiwöchigen Almkanalabkehr die Besichtigung des Stiftsarmstollens. In den Führungen wird der alte Stollen nähergebracht:
Eindrucksvoll zu beobachten sind dabei die nach größeren Einstürzen der Jahre 1596, 1707 und 1790 wiederhergestellten Stollenteile in ihren unterschiedlichen Bauweisen - trapezförmigen Steinsätze, Spitzgewölbe oder Rundbögen. Solche sanierte Stollenabschnitte der Geschichte sind oft mit eingemeißelten Jahreszahlen versehen.
Die Kanalsohle ist vielfach mit Marmorplatten ausgelegt, darunter auch Grabplatten aus dem ehemaligen Domfriedhof, der im Jahre 1603 von Erzbischof Wolf Dietrich von Raitenau aufgelassen worden war. In der Mitte des Stiftsarmstollens zweigt ein Verbindungsgang zum westlich liegenden um 1560 angelegten Brunnstollen des Stiftes St. Peter ab, der bis heute zur Wasserversorgung des Klosters dient.

Zur Geschichte des ältesten Wasserleitungssystems Mitteleuropas
Der älteste Teil des heutigen Almkanales stammt vermutlich bereits aus der Zeit des Frühmittelalters.
Schon 790 wird die alte Mühlenvorstadt Mülln erstmals urkundlich erwähnt, deren Mühlen mit dem Wasser des Riedenberger Baches, einem Vorläufer des Almkanales, betrieben wurden.

In der Stadt Salzburg selbst war im Hochmittelalter trotz der Nähe zur Salzach der Mangel an Wasser groß. Als im Jahr 1127 die Stadt - damals großteils aus hölzernen Fachwerkbauten bestehend - erneut brannte, wurde dies sehr deutlich.
In einem mutigen Schritt bauten in den Jahren 1136 bis 1143 das Domkapitel und das Stift St. Peter als größte Grundbesitzer der Stadt Salzburg gemeinsam den Stiftsarmstollen.
Er verläuft dabei hart an der Grenze zum harten Festungsbergdolomit im weicheren Konglomerat des Mönchsberges.
Das Wasser des Almkanales hatte mit dem Stiftsarm für das Stift St. Peter und dem Kapitelarm für das Domkapitel dabei viele wichtige Aufgaben: es diente zum Feuerlöschen, zum Betrieb von Mühlen, für das Gewerbe und nicht zuletzt auch für Landwirtschaft.

Nachdem der Almkanal schon 1160 bis zum Rosittenbach verlängert worden war, erfolgte 1286 zur gleichmäßigeren Wasserversorgung der Durchstich bis zur Königseeache, die damals Alm oder Albe hieß; ein Wort das vom lateinischen „albus“ die „Weiße“ abstammt. Der Kanal dieses Almbaches hieß daher seit diesem Durchstich Almkanal.

1338 leiteten die Bürger der Stadt mit Genehmigung von Erzbischof Friedrich III. in einem Stollen durch den Mönchsberg den Städtischen Arm vom Müllner Arm zum Bürgerspital ab, der in der Folge auch zahlreiche Mühlen, Schleifereien, Schmieden und Sägen antrieb.
Das 1548 unter Ernst von Bayern erbaute Städtische Brunnhaus versorgte als almwasserbetriebenes Grundwasserhebewerk bis zur Errichtung der Fürstenbrunner Wasserleitung einen Großteil der Häuser der Altstadt mit Wasser. Bald darauf wurde zu besseren Wasserversorgung der Stiftsarm in den Hofstallarm für das Hofstallgebäude und den Gamperarm aufgeteilt und der Kapitelarm in den Höllbräuarm und den Unteren Kapitelarm. Vom Stiftsarm zweigt im Nonntal seit 1664 der Nonntaler Arm ab.

Bis zum Ende des Fürsterzbistums blieb der Almkanal im Besitz der beiden ursprünglichen Eigentümer, dem Stift St. Peter und dem Domkapitel, zu denen ab 1566 als dritter Almherr der Fürsterzbischof hinzukam. Mit dem Ende des Fürsterzbistums übernahm zwischen 1803 bis 1937 der Staat die Verwaltung des Almkanales.
Seit 1937 ist der Almkanal genossenschaftlich organisiert. Nach 1970 bekannten sich Stadt, Land und Bund zu einer Generalsanierung des Almkanales. So konnte ein europaweit einzigartiges Kulturdenkmal erhalten und gesichert werden.

Dr. Reinhard Medicus

Noch Fragen?

Stand: 18.4.2018, Richilde Haybäck