Hintergrundbild
Wirtschaft & Umwelt
 
Frauen
Sicherheitstipps

#10 Leg dich bloß nicht mit mir an!

Zwischen Freunden ist es ganz klar: Eine innige Umarmung, ein Schulterklopfen oder ein Küsschen auf die Wange zeigen Zuneigung und Sympathie. Von allen Personen möchte man aber nicht im eigenen „Safe Space“ gestört werden. Fühlen Sie sich bedrängt und Ihrer eigenen körperlichen Freiheit eingeschränkt, ist fast immer die Rede von sexueller Belästigung oder sexueller Gewalt.

Was versteht man überhaupt unter sexueller Gewalt?
Geschlechtsbezogene oder sexuelle Gewalt liegt vor, wenn eine Person gegen ihren Willen und mit einer abwertenden Absicht im Hinblick auf ihr Geschlecht belästigt wird. Das können aufdringliche Blicke, Bilder, Nachrichten oder direkte Bemerkungen sein, aber auch unerwünschte Handlungen, wie aufgedrängte Küsse. Die extremsten Formen sind eine Vergewaltigung oder erzwungener Geschlechtsverkehr.

Sexuelle Gewalt ist immer eine Verletzung der persönlichen Grenzen und des Rechts, ohne Gewalt leben zu dürfen. Das ist strafbar. Je nach Fall kommen Gleichbehandlungsgesetze, Gewaltschutz-Gesetze oder das Strafrecht zur Anwendung.

  • Wenn Sie nicht spontan reagieren können, ist das ganz normal. Teilen Sie sich einer Person mit, wenn Sie in der Zeit nach dem Übergriff das Bedürfnis dazu haben.
  • Setzen Sie eindeutige Grenzen, wenn Sie belästigt werden und stärken Sie diese durch Worte wie „Ich will das nicht!“
  • Sagen Sie deutlich, was Sie nicht wollen: „Lassen Sie mich sofort in Ruhe.“
  • Wer zu sexuellen Handlungen zwingt, ist immer im Unrecht und trägt alleine die Verantwortung dafür. Das Opfer ist nie schuld – nicht wegen seines Outfits oder seines Verhaltens. Es gibt keine Rechtfertigung für belästigendes Verhalten.

Belästigung an öffentlichen Orten
Viele kennen das: Man steigt in einen übervollen Bus ein oder drängt sich bei einem Konzert durch viele Menschen nach vorne. Ob man will oder nicht – es entsteht ein gewisser Körperkontakt mit fremden Personen. Nutzen Menschen diesen jedoch aus, um Sie sexuell zu belästigen, versuchen Sie zu reagieren. Auf öffentlichen Plätzen oder in öffentlichen Verkehrsmitteln können Menschen rundherum auf diejenige Person aufmerksam gemacht werden. Damit stellen Sie diese Person bloß und bringen sie in eine – verdiente – peinliche Situation.

Belästigung in Lokalen oder bei Partys
Kommt es in Lokalen zu unerwünschten Annäherungsversuchen, gilt: Je klarer und deutlicher Sie Ihr Desinteresse bekunden, desto besser. Rücken Ihnen die ungebetenen Verehrer*innen weiterhin auf die Pelle, beschweren Sie sich beim (Bar-)Personal. Störenfriede sollten aus dem Lokal geworfen werden – das zeichnet eine gute Bar aus.

Belästigung am Telefon
Viele nutzen die Anonymität durch das Telefon, um Opfer zu belästigen. Obszöne Anrufe sind besonders geschmacklos und können im schlimmsten Fall zu Psychoterror ausarten.

  • Den Hörer kommentarlos aufzulegen ist oft die einfachste Methode.
  • Sperren Sie auf jeden Fall die Nummer am Smartphone.
  • Bei anonymen Anrufen: Bei den meisten Telefongesellschaften können Sie eine „Abweisung anonymer Anrufe“ anfordern.
  • Um Telefonterror vorzubeugen, können Sie auch eine Geheimnummer beantragen.
  • Stalking ist ein eigener Tatbestand und kann angezeigt und gerichtlich verfolgt werden.

Was tun nach einer Vergewaltigung?
Im schlimmsten Fall geht sexuelle Nötigung in Vergewaltigung über.

  • Zeigen Sie die Tat an, sobald es Ihnen möglich ist. Fotografieren und dokumentieren Sie Verletzungen. Auch Ihre getragene (und ungewaschene) Kleidung kann als Beweismittel dienen.
  • Behalten Sie den Vorfall nicht für sich! Wenden Sie sich so schnell wie möglich an eine Person Ihres Vertrauens und/oder suchen Sie Rat und professionelle Hilfe bei einer Fachberatungsstelle.
  • Lassen Sie körperliche Verletzungen sofort ärztlich behandeln und machen Sie einen HIV- und Schwangerschaftstest. Im Fall einer Anzeigeerstattung sind alle Untersuchungen kostenlos.
  • Sie haben bei einer Anzeige als Frau das Recht auf Einvernahme durch eine weibliche Polizeibeamtin.

Sollten Sie sich für eine Anzeige entscheiden, wird Ihnen kostenlos eine psychosoziale und juristische Prozessbegleitung zur Verfügung gestellt.
In Salzburg gibt es außerdem Hilfe und Beratung im Gewaltschutzzentrum

Alle zuständigen Opferschutzeinrichtungen im Bundesland Salzburg: 

Noch Fragen?

Stand: 27.3.2019, Richilde Haybäck