Denkmalschutz und Barrierefreiheit – kein Widerspruch, sondern gemeinsame Verantwortung

Beim Monat der Vielfalt diskutieren Expert:innen und Publikum, wie historische Gebäude barrierefreier werden können.
Unter dem Titel „Denkmalschutz und Barrierefreiheit – wie geht das?“ lud das Team Vielfalt im Rahmen des Monats der Vielfalt am Donnerstagabend zu einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion in die Initiative Architektur ein. Zahlreiche interessierte Salzburger:innen sowie angehende Architekt:innen folgten der Einladung und diskutierten gemeinsam mit Expert:innen über ein Spannungsfeld, das aktueller kaum sein könnte.
Am Podium diskutierten Michael Tasch (Landeskonservatorat für Salzburg), Baumeister Martin Sieger (Experte für barrierefreies Bauen), Christina Tscherteu (Expertin für barrierefreies Bauen) sowie Monika Schmerold (Expertin in eigener Sache und Obfrau des Vereins knackpunkt – Selbstbestimmt Leben Salzburg). Die Moderation übernahm Peter Spitaler.
Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sich der Schutz historischer Bausubstanz mit dem Menschenrecht auf Barrierefreiheit vereinbaren lässt. Historische Gebäude sollen in ihrem Erscheinungsbild bewahrt werden – gleichzeitig muss allen Menschen ein selbstständiger und gleichberechtigter Zugang ermöglicht werden. Was zunächst wie ein unlösbarer Konflikt erscheint, erwies sich im Laufe des Abends als lösbare Planungsaufgabe.
Die Expert:innen waren sich einig: Mit sorgfältiger Planung, Kreativität und der Nutzung rechtlicher Spielräume lassen sich maßgeschneiderte Lösungen entwickeln, die sowohl dem Denkmalschutz als auch der Barrierefreiheit gerecht werden. Zahlreiche Beispiele aus ganz Österreich belegen, dass es sich nicht um ein Entweder-oder handelt.
Als besonders gelungenes Beispiel wurde das neu sanierte Parlamentsgebäude in Wien genannt. Dort ist eine umfassende Sanierung im Sinne der Inklusion umgesetzt worden, ohne den historischen Charakter des Gebäudes zu beeinträchtigen.
Auch Salzburg kann auf erfolgreiche Projekte verweisen: So wurden unter anderem im Schloss Mirabell durch einen Lift-Einbau neue Zugänge geschaffen, ebenso beim Salzburger Dom, der Kollegienkirche, dem Franziskanerkloster Salzburg sowie dem Rathaus Salzburg. Diese Beispiele zeigen, dass historische Gebäude zugänglich gemacht werden können, ohne ihren Charakter zu verlieren.
„Im Sinne einer gelungenen inklusiven Stadt kommt Barrierefreiheit nicht nur Menschen mit Behinderungen zugute, sondern allen Salzburgerinnen und Salzburgern“, betonte Andrea Kircher vom Team Vielfalt.
Auch Stadträtin Andrea Brandner unterstrich die gesellschaftliche Bedeutung des Themas: „Barrierefreiheit ist kein Zusatz, sondern ein Grundrecht. Wenn wir unsere historischen Gebäude bewahren, tragen wir Verantwortung für unser kulturelles Erbe – wenn wir sie zugänglich machen, übernehmen wir Verantwortung für die Menschen. Eine zukunftsorientierte Stadt wie Salzburg muss beides können: Geschichte schützen und Teilhabe für alle ermöglichen.“
Der Abend machte deutlich: Denkmalschutz und Barrierefreiheit stehen nicht im Widerspruch – sie sind Ausdruck einer gemeinsamen Verantwortung für Vergangenheit und Zukunft.
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