Displaced Persons (DPs) in der Stadt Salzburg – Hinweise zur Recherche
Zwischen 1945 und etwa 1951 befanden sich in Salzburg mehrere Lager für Displaced Persons (DPs) – Menschen, die verschleppt oder vertrieben worden waren. Nach Kriegsende bzw. in den Nachkriegswirren konnten sie nicht (oder noch nicht) in ihre Herkunftsländer zurückkehren bzw. emigrierten sie in der Folge in Drittländer. Die Zahl der DPs in Österreich nach dem Zweiten Weltkrieg wurde im Jahr 1946 auf ca. 450.000 bis 500.000 geschätzt. In Salzburg waren es nach Kriegsende ca. 66.000 DPs.
DP- und Barackenlager in der Stadt Salzburg im Überblick:
- Lager Annahofgründe (Guggenmoosstraße)
- Lager Hellbrunn (in Nonntal an der Hellbrunnerstraße)
- Lager Itzling (Erzherzog-Eugen-Straße)
- Lager Laschenskyhof (in Viehausen)
- Lager Lehen (im Bereich der heutigen Scherzhauserfeld-Siedlung)
- Lager Lexenfeld (in Liefering)
- Lager Parsch
- Lager Rositten, ehemalige Rosittenkaserne (Nußdorferstraße)
- Lager Siezenheim
- Lager Volksgarten
- New Palestine (in Parsch)
- Camp Mülln (im Augustiner Bräu Kloster Mülln)
- Camp Judah (in der Riedenburgkaserne)
- Camp Herzl (in der Franz-Josefs-Kaserne in der Schrannengasse)
- Bet Bialik (in der Struberkaserne in der Kleßheimer Allee)
- Bet Trumpeldor (in Gnigl)
Warum das Stadtarchiv Salzburg zu den ehemaligen Bewohner:innen der Lager meist keine Meldeauskunft erteilen kann
Die DP-Lager standen in den ersten Nachkriegsjahren nicht unter kommunaler Verwaltung: Sie wurden von der US-amerikanischen Besatzungsmacht und den internationalen Hilfsorganisationen UNRRA (United Nations Relief and Rehabilitation Administration) bzw. ab 1947/48 von deren Nachfolgeorganisation IRO (International Refugee Organization) administriert. Die jüdischen Lager wurden zudem in jüdischer Selbstverwaltung durch gewählte Lagerräte geführt.
Eine polizeiliche Anmeldung im kommunalen Meldewesen fand in dieser Zeit in der Regel nicht statt – die Bewohner:innen der Lager wurden daher nicht in den Meldeaufzeichnungen der Stadt Salzburg erfasst. Die Unterlagen im Stadtarchiv Salzburg zu den Lageradressen setzen erst in den frühen 1950er-Jahren ein.
Für die meist sehr kurzfristigen Aufenthalte in den Jahren 1945 bis etwa 1950 kann das Stadtarchiv Salzburg daher meist keine Auskunft aus den Meldebeständen erteilen.
Weiterführende Archive und Anlaufstellen:
- Arolsen Archives – International Center on Nazi Persecution (Bad Arolsen; früher „Internationaler Suchdienst", ITS)
Die weltweit umfassendste Sammlung zu NS-Verfolgten, Zwangsarbeiter:innen und Displaced Persons – mit Online-Recherche und Anfragemöglichkeit:
- United Nations Archives (UNARMS)
Verwaltungsunterlagen der UNRRA/IRO, die Salzburger Lager sind unter folgenden Teamkürzeln verzeichnet:
Team 316 – Hellbrunn
Team 317a – Franz-Josef-Kaserne
Team 318 – Parsch
Team 319 – Lehen
Team 321 – Saalfelden
Team 322 – Bad Gastein
Team 323 – Lexenfeld
Team 324 – Puch
Team 325 – New Palestine
Team 326 – Itzling
Team 326 – Volksgarten
Team 338 – Riedenburg
https://search.archives.un.org/
- JDC Archives (American Jewish Joint Distribution Committee, New York)
Unterlagen zur Versorgung und Betreuung der jüdischen DPs in Österreich, Emigrationsunterlagen sowie eine Namensdatenbank:
- YIVO Institute for Jewish Research / Center for Jewish History
Der Bestand „Records of the Displaced Person Camps and Centers in Austria" enthält auch Unterlagen der Salzburger DP-Lager (Verwaltung, Listen, Korrespondenz der Lagerräte):
https://archives.cjh.org/repositories/7/resources/3243
- United States Holocaust Memorial Museum (USHMM)
Einführung zu den Lagern im Raum Salzburg in der Holocaust Encyclopedia; zudem Kopien des ITS-Bestandes:
https://encyclopedia.ushmm.org/content/en/article/salzburg-displaced-persons-camps-1
- Haus der Geschichte Österreich (hdgö)
Historischer Überblick zu den DPs in Österreich 1945–1950:
Literaturhinweise:
HARALD WAITZBAUER, Flüchtlinge und „Displaced persons“, in: ERICH MARX (Hg.), Befreit und besetzt. Stadt Salzburg 1945–1955 (Schriftenreihe des Archivs der Stadt Salzburg 7), Salzburg 1996, S. 67–73.
THOMAS ALBRICH (Hg.), Flucht nach Eretz Israel. Die Bricha und der jüdische Exodus durch Österreich nach 1945, Innsbruck 1998.
GABRIELE HUBER und REGINA THUMSER, Das Flüchtlingslager „Camp Hellbrunn“. Fremdsprachige Flüchtlinge im Salzburg der Nachkriegszeit, in: HANNS HAAS, ROBERT HOFFMANN und ROBERT KRIECHBAUMER (Hg.), Salzburg. Städtische Lebenswelt(en) seit 1945 (Dr.-Wilfried-Haslauer-Bibliothek 11), Wien–Köln–Weimar 2000, S. 75–99.
SUSANNE ROLINEK, Zufluchtsort und Zwischenstation. Flüchtlingsalltag im Salzburg der Nachkriegszeit, in: Salzburg Archiv 30 (2005), S. 279–302.
SUSANNE ROLINEK, Jüdische Lebenswelten 1945–1955. Flüchtlinge in der amerikanischen Zone Österreichs (Österreich-Israel-Studien 4), Innsbruck 2007.
OSKAR DOHLE, Unterschiedlichste Bestände – viele Quellen – wenig Ordnung? Die Quellenlage zum Themenkomplex „Lager“ im Salzburger Landesarchiv, in: MGSL 160/161 (2020/2021), S. 379–400.
SABINE ASCHAUER-SMOLIK, Über das Erinnern an das DP-Camp „Givat Avoda“ in Saalfelden. „Dass ich die Berge nicht wahrgenommen habe ...“, in: Alpendistel – Magazin für antifaschistische Gedenkkultur 7 (2026), S. 63–66.
