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Selbstverständlich barriereFREI!

Eine Stadt ohne Hürden als neuer Standortvorteil
 
Fr, 29. November 2019

„Selbstverständlich barriereFREI“ unter dem Motto startet das „Team Vielfalt“ einen Kommunikationsschwerpunkt, der in den nächsten Wochen die Menschen in dieser Stadt einlädt, gemeinsam über den Abbau von Hürden und Barrieren zu diskutieren und Vorschläge für Verbesserungen einzubringen.

„Wir verstehen Barrierefreiheit in einem umfassenden Sinn. Wir werden einerseits die Bevölkerung sensibilisieren und andererseits auch die Haltung der Stadt Salzburg zum Thema Barrierefreiheit sichtbar machen“, so Stadträtin Mag. Anja Hagenauer. Für die Stadt Salzburg umfasst Barrierefreiheit mehr als Rampen, abgesenkte Bordsteine oder die Tonsignale an der Ampel. Eine Welt ohne Hürden nutzt allen: Älteren Menschen ebenso wie kleinen Kindern. Eltern mit Kinderwagen und allen, die vorübergehend in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt sind. Es nutzt auch Menschen, die nur wenig Deutsch sprechen. „Kurz gesagt: Der hürdenlose Zugang zu Waren und Dienstleistungen ist ein Menschenrecht“, unterstreicht Sabine Neusüß vom Team Vielfalt und weiter: „Um die UN-Behindertenrechtskonvention umzusetzen sind ‚Anti-Stigma-Kampagnen‘ notwendig. Sie stärken das Selbstbewusstsein von Menschen mit Behinderung und sorgen für gesellschaftliche Anerkennung.“
Inhaltliche Grundlage ist der Etappenplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention den die Stadt Salzburg gemeinsam mit anderen entwickelt hat.

Was ist selbstverständlich? Auftaktveranstaltung in der Panoramabar
Die Auftaktveranstaltung findet am Donnerstag, 5.12. in der Panoramabar der Stadt:Bibliothek statt. Eine Soziologin aus Wien, Frau Josefine Thom, und Conny Deutsch vom ORF Salzburg werden Impulsreferate geben und unter anderem über Selbstverständlichkeiten sprechen. Frau Josefine Thom ist Gründerin und CEO von MOB-Industries, einem Bekleidungsunternehmen für Menschen mit und ohne Behinderung.

Salzburg hat Vorreiterrolle beim Thema „Barrierefreiheit“
Die Stadt Salzburg nimmt schon seit vielen Jahren eine Vorreiterrolle zum Thema Barrierefreiheit ein. Die Stelle der Behindertenbeauftragten gibt es mittlerweile seit 1997, ebenso wie den sogenannten Behindertenbeirat. Beim Beirat für Menschen mit Behinderung handelt es sich um ein beratendes Gremium, welches mindestens vier Mal im Jahr zusammenkommt. Den Vorsitz des Beirats hat die Stadträtin Mag. Anja Hagenauer. Im Moment besteht der Beirat aus insgesamt 17 Mitgliedern, die die verschiedensten Gruppen von Menschen mit Behinderung vertreten und der Stadt in vielen Fragen beratend zur Seite stehen. Auch der Etappenplan ist eines von vielen gemeinsamen Projekten des Behindertenbeirats mit der Stadt Salzburg.

Dialog mit den Menschen – App hilft Hürden abzubauen
Das Team Vielfalt setzt auf Dialog mit den Menschen. Abseits von den Veranstaltungen der Informations-Offensive können auch Barrieren und Hürden über die App der Stadt Salzburg #salzburgdirekt (www.stadt-salzburg.at/direkt) gemeldet werden. Dafür gibt es in dieser App ab nächster Woche eine eigene Kategorie „selbstverständlich barrierefrei“. Damit sollen möglichst viele Hürden und Barrieren im öffentlichen Raum abgebaut werden.

Qualitäts-Siegel „Selbstverständlich barriereFREI“
Jeden Monat wird ein „Barrierefrei-Tipp“ bekannt gegeben. In diesem Projekt geht es darum Restaurants, Sehenswürdigkeiten, Tourismusbetriebe oder andere Institutionen zu veröffentlichen, die sich besonders zum Thema Barrierefreiheit bemühen. Mittlerweile wurden mehr als 40 Barrierefrei-Tipps in den letzten Jahren veröffentlicht. Diese Tipps werden nun mit dem Qualitäts-Siegel „Selbstverständlich barriereFREI“ ausgezeichnet Alle Barrierefrei-Tipps werden noch einmal veröffentlicht und anlässlich des Festes der Vielfalt am 21.2.2020 geehrt. Gerade in einer älterwerdenden Gesellschaft ist das Thema Barrierefreiheit auch ein Standortfaktor. Viele ältere Menschen schauen bei der Auswahl ihrer Ziele oder Wohnbereiche darauf, wie viele Hürden es gibt“, so Anja Hagenauer.

Leitfaden für barrierefreie Veranstaltungen
In der UN-Konvention ist die Teilhabe am öffentlichen Leben ein großes Thema. Um hier die gleichen Rechte für Menschen mit Behinderung zu erreichen, müssen alle Serviceangebote und Veranstaltungen für alle Menschen in gleicher Weise zugänglich sein. Aus diesem Grund hat das Team Vielfalt für Events einen Leitfaden erstellt, der Maßnahmen, Tipps und Tricks beinhaltet, die für eine „hürdenlose“ Veranstaltung notwendig sind.

Salzburg baut Hürden ab – Der Etappen-Plan
Im Jahr 2016 begann eines der größten Projekte zum Thema Barrierefreiheit für die Stadt Salzburg – nämlich die Erarbeitung des Etappenplans (Link: www.stadt-salzburg.at/barrierefrei). Die Stadt hat sich mit dem Etappenplan zahlreiche Maßnahmen selbst auferlegt, um die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention weiter voran zu treiben. In einem partizipatorischen Prozess wurde dieser gemeinsam mit Expert*innen, Betroffenen und Freiwilligen erarbeitet und voriges Jahr vorgestellt. Alleine im Jahr 2018 – 2019 wurden 50 Maßnahmen aus dem Etappenplan umgesetzt. Ein paar Beispiele dazu:
* Schulungen für Buslenker*innen der SalzburgAG
* Veranstaltungsräume der Stadt wurden mit induktiven Höranlagen ausgerüstet. Mit dem Pegasus-Zimmer im Schloss Mirabell wurde dieses Jahr auch der letzte Veranstaltungssaal der Stadt adaptiert.
* Laufende Verbesserungen beim umfassenden barrierefreien Zugang zu den städtischen Einrichtungen, Leistungen und Services. So verfügt das neue Wohnservice im Kiesel über ein umfassendes barrierefreies Angebot (Formulare, Zugänge und/oder Online-Angebote)
* Schwerpunkt „leichtverständliche Sprache“: Unter dem Titel „klare Worte“ gibt es seit Jahren ein Projekt in der Stadtverwaltung, bei dem es Ziel ist, die Bescheide und Schriftstücke klar, lesbar und verständlich zu gestalten. Sämtliche Schreiben vom Jugendamt, vom Sozialamt und von den Senioreneinrichtungen wurden und werden dabei bereits leicht verständlich formuliert und gut erfassbar strukturiert.
* Taktile Leitsystem wurden verbessert oder angebracht. So gab es dieses Jahr einen Schwerpunkt in Nonntal. Zahlreiche Straßenübergänge beginnend beim Justizgebäude bis zur Hofhaymer-Allee wurden mit taktilen Leitsystemen und Gehsteigabsenkungen nachgerüstet.

Dazu wird einmal im Jahr ein Statusbericht erstellt. Dieser Bericht wird gemeinsam mit dem Beirat besprochen und weitere Prioritäten für das nächste Jahr festgelegt.
Die Wichtigkeit des Themas schlägt sich auch im Budget der Stadt nieder. Zur Förderung von barrierefreien Projekte stehen rund 220.000 Euro zur Verfügung. Neu ab 2020 ist ein eigener Projekttopf von 90.000 Euro im Straßen- und Brückenamt. Dieser Topf wird in Absprache mit der Behindertenbeauftragten etwa für Gehsteigabsenkungen und taktile Leitsysteme im öffentlichen Raum verwendet. Für das Jahr 2020 wird als Schwerpunkt für die Einbringung von taktilen Leitsystemen und Gehsteigabsenkungen das Gebiet rund um den Bahnhof in der E-Vorstadt festgelegt.

„Eh nur kurz ist schon zu lang“ – Konflikte um Behindertenparkplätzen
Immer wieder gibt es Probleme mit Personen, die ohne Berechtigung einen Behindertenparkplatz verstellen. Für Menschen mit Behinderung sind diese Parkplätze aber oft die einzige Möglichkeit, um verschiedene Dinge zu erledigen. Sind die Parkplätze verstellt, führt es unter Umständen dazu, dass sie unverrichteter Dinge wieder nach Hause fahren müssen. Die aktuellen Zahlen über unberechtigtes Parken auf Behindertenparkplätzen und die Beschwerden im Büro der Behindertenbeauftragten sowie bei Mitgliedern des Behindertenbeirats häufen sich wieder. Für Menschen mit Behinderung sind diese Parkplätze aber manchmal die einzige Möglichkeit, Dinge zu erledigen. Bei der Kampagne „Selbstverständlich barriereFREI“ wird jetzt der Spieß umgedreht: Rollstühle werden „normale“ Parkplätze verstellen. Die Reaktion der betroffenen Autofahrer*innen dazu wird festgehalten.

Die Kampagne „Selbstverständlich BarriereFREI“
Die nächsten drei Wochen läuft nun die erste Phase von „Selbstverständlich barriereFREI“. Mit Plakaten, Transparenten und vielen Aktivitäten in den Sozialen Medien zeigt die Stadt wie unterschiedlich Barrieren und Hürden sein können und macht die Menschen darauf aufmerksam. Kreativer Entwickler der Kampagne ist das Kreativbüro und die Werbeagentur „Zenz“. Der Grundtenor der Werbe-Kampagne ist, dass man nur gemeinsam an einer Stadt ohne Hindernisse arbeiten kann. Das bringt viele Vorteile – im Tourismus genauso wie im täglichen Parteienverkehr in der Stadtverwaltung. Zugänglichkeit muss selbstverständlich sein. Darauf wird mit der neuen Aktion „selbstverständlich barriereFREI“ stark hingewiesen.


www.stadt-salzburg.at
Stadträtin Hagenauer und das Team Vielfalt... Stadträtin Hagenauer und das Team Vielfalt...
© Honorarfreies Pressebild: Stadt Salzburg
Stand: 29.11.2019, Doris Stockklauser