„Anstoßen!“ in Liefering: Begegnungen und Denkanstöße zum Internationalen Tag des weißen Stockes

v.l.: Julieta Jacobi, die Initiatorin des gemeinsamen Spaziergangprojektes "Mit allen Sinnen sehen"; Silvia Burner-Müller, Blinden- und Sehbehindertenverband; Brigitte Wagner, 1. Obmann-Stellvertreterin BSVS; Klaudia Schumacher, BWS Liefering Süd; Nadine Neugebauer, BWS Liefering Süd; Mitglied BSVS; Peter Ebner, Behindertenbeauftragter Stadt Salzburg; Stadträtin Andrea Brandner; Peter Weiser Blinden- und Sehbehindertenverband; Markus Walter KPÖ Plus Salzburg Land; Nicola Korntner KPÖ Plus Stadt Salzburg
Selbsterfahrung, persönliche Begegnungen und wichtige Informationen rund um das Leben mit Sehbehinderung standen am 15. Oktober im Mittelpunkt einer gemeinsamen Veranstaltung des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Salzburg (BSVS), des Teams Vielfalt und des BWS Liefering-Süd.
Wie fühlt es sich an, sich ohne Augenlicht in einer vertrauten Umgebung zurechtzufinden? Wie gelingt Orientierung, wenn man sich nicht auf den Sehsinn verlassen kann? Und welche Rolle spielen Vertrauen, Kommunikation und gegenseitige Unterstützung im Alltag? Diesen Fragen widmete sich eine Veranstaltung anlässlich des Internationalen Tages des Weißen Stocks am 15. Oktober 2026 im BWS Liefering-Süd. Gemeinsam mit dem Blinden- und Sehbehindertenverband Salzburg (BSVS) und dem Team Vielfalt wurde ein Nachmittag gestaltet, der Information und persönliche Begegnung mit praktischer Selbsterfahrung verband.
Nach einem fachlichen Input und persönlichen Erfahrungsberichten erhielten die Besucher:innen die Möglichkeit, mit Dunkelbrillen unterschiedliche Alltagssituationen selbst auszuprobieren. Dazu gehörten die Orientierung in den Räumlichkeiten, das Wiederfinden des eigenen Platzes sowie Spiele und Alltagstätigkeiten. Dabei wurde erfahrbar, welche Herausforderungen sich ohne Sehsinn ergeben und wie wichtig Orientierungshilfen, Vertrauen und eine verständliche Kommunikation sind. Ein besonderer Programmpunkt war die Dunkelbar, die von Josef Schinwald gestaltet wurde. Getränke im Dunkeln zu bestellen, zu bezahlen und anschließend einen Platz am Tisch zu finden, machte alltägliche Abläufe aus einer neuen Perspektive erlebbar. Ergänzend dazu wurden vom BSVS geeignete Spiele angeboten, die auch von blinden und sehbehinderten Menschen gut gespielt werden können.
Inklusion beginnt mit Begegnung
Die Veranstaltung machte deutlich, dass Inklusion mehr bedeutet als bauliche Barrierefreiheit. Ebenso wichtig sind Wissen, gegenseitiges Verständnis und die Bereitschaft, gewohnte Sichtweisen zu hinterfragen. Selbsterfahrung kann dazu beitragen, Barrieren im Alltag bewusster wahrzunehmen und Menschen mit Sehbehinderung auf Augenhöhe zu begegnen.
Stadträtin Andrea Brandner, Vorsitzende des Behindertenbeirates der Stadt Salzburg, betont: „Eine inklusive Stadt entsteht dort, wo Menschen einander begegnen, voneinander lernen und Barrieren gemeinsam abbauen. Der Internationale Tag des weißen Stockes macht darauf aufmerksam, wie wichtig selbstbestimmte Mobilität und gleichberechtigte Teilhabe für blinde und sehbehinderte Menschen sind. Veranstaltungen wie diese schaffen Verständnis, fördern den Perspektivenwechsel und zeigen, dass Inklusion eine gemeinsame Aufgabe ist.“
„Der weiße Stock hilft, Hindernisse zu erkennen – beseitigen kann er sie nicht. Der Tag des weißen Stockes gibt deshalb einen Denkanstoß: Welche Hindernisse erschweren blinden und sehbehinderten Menschen den Alltag – und wie können wir gemeinsam dazu beitragen, sie abzubauen?“, erklärt Josef Schinwald, Obmann des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Salzburg.
Gemeinsam für mehr Verständnis
Die Zusammenarbeit des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Salzburg, des Teams Vielfalt und des BWS Liefering-Süd zeigt, wie durch gemeinsames Engagement Begegnungsräume geschaffen und Themen wie Sehbehinderung und Barrierefreiheit stärker ins öffentliche Bewusstsein gerückt werden können.
Der Internationale Tag des weißen Stockes erinnert jährlich am 15. Oktober an die Bedeutung des weißen Stockes als Orientierungs- und Mobilitätshilfe sowie an die Rechte blinder und sehbehinderter Menschen. Die Veranstaltung in Liefering setzte dazu ein konkretes Zeichen: Verständnis wächst, wenn Menschen bereit sind, sich auf neue Erfahrungen einzulassen.
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