Energiebilanz der Stadt Salzburg 2024
Mehr erneuerbare Energie, weniger Auslandsabhängigkeit – Transformation bleibt Auftrag
Energieexperte Oskar Mair am Tinkhof (SIR), Bgm.-Stv. Kay-Michael Dankl, Planungsstadträtin Anna Schiester und Energiekoordinator Christoph Hillebrand (v.l.n.r.) präsentierten die Energiebilanz 2024.
Die Energieversorgung ist für Salzburg ein zentrales Zukunftsthema: für Klimaschutz, für Versorgungssicherheit und für leistbare Energie im Alltag. Die Energiebilanz 2024 zeigt, wie sich Energieverbrauch, Energieträger, erneuerbare Anteile und die Abhängigkeit von Energieimporten im Stadtgebiet entwickelt haben – und wie die Stadtverwaltung im eigenen Wirkungsbereich dasteht.
Bürgermeister-Stellvertreter Kay-Michael Dankl: „Die Energiebilanz 2024 zeigt klar: Salzburg macht Fortschritte, aber der Umbau ist noch lange nicht abgeschlossen. Mehr erneuerbare Energie und weniger Abhängigkeit von Importen sind ein strategischer Vorteil, den wir konsequent weiter ausbauen müssen. Gleichzeitig bleibt die Wärme einer der größten Hebel – hier braucht es deutlich mehr Tempo bei erneuerbaren Lösungen und Effizienz. Entscheidend ist jetzt, dass wir die nächsten konkreten Schritte setzen und Maßnahmen für die Jahre 2026 und 2027 klar und abgestimmt umsetzen.
Ein wichtiger Baustein dabei ist der Ausbau der Photovoltaik: Mit Mai nimmt der neue PV-Anlagentechniker seine Arbeit auf und wird eine umfassende PV-Strategie vorbereiten. Damit stärken wir die Rolle der Solarenergie in der Stadt weiter und schaffen die Grundlage, zusätzliche Potenziale – auch gemeinsam mit externen Partnern – effizient zu nutzen.
Gleichzeitig werden wir das Thema Energiesparen stärker forcieren. Mit einer gezielten Energiesparkampagne im Magistrat und konkreten Maßnahmen – vom bewussteren Nutzerverhalten bis hin zur Optimierung der Heizungseinstellungen – können wir kurzfristig spürbar Energie einsparen. Denn klar ist: Jede eingesparte Kilowattstunde reduziert Kosten, stärkt die Versorgungssicherheit und bringt uns einen Schritt weiter in Richtung Unabhängigkeit.“
Planungsstadträtin Anna Schiester: „2.571 Gigawattstunden Energieverbrauch, 36 Prozent erneuerbar, 51 Prozent Abhängigkeit vom Ausland – diese Zahlen zeigen sehr klar, wo wir als Stadt stehen: am Weg raus aus fossilen Abhängigkeiten, aber noch mittendrin und noch lange nicht am Ziel.
Warum es so entscheidend ist, diesen Weg weiterzugehen, sehen wir jeden Tag: beim Blick auf die Klimazahlen, auf die globale Landkarte – und in den Nachrichten. Kriege, instabile Märkte, schwankende Öl- und Gaspreise. Das trifft am Ende immer die Städte, die Wirtschaft und vor allem die Menschen im Alltag.
Mit dem Klimafahrplan haben wir in der Stadt im Vorjahr dafür einen klaren Kurs beschlossen – mit konkreten Zielen und Maßnahmen, die notwendig sind. Jetzt geht weiter darum, den eingeschlagenen Kurs fortzusetzen: als Stadt, gemeinsam mit der Wirtschaft und den Menschen. Weniger Gas und Öl beim Heizen, mehr erneuerbare Energie vor Ort und ein Verkehrssystem, das auch ohne fossile Energie gut funktioniert. Denn jede Kilowattstunde, die wir hier selbst erzeugen, und jeder Weg, der ohne Öl zurückgelegt wird, macht uns unabhängiger – und stärkt eine Stadt, die auch langfristig gut und sicher lebenswert bleibt.“
Die Energiebilanz schafft damit eine belastbare Grundlage für politische Entscheidungen und für die Prioritäten der nächsten Jahre. Sie zeigt Fortschritte, aber auch Bereiche, in denen der Umbau noch zu langsam ist oder Entwicklungen erklärungsbedürftig sind.
Auch der Energiekoordinator der Stadt Salzburg, Christoph Hillebrand, ist von der Notwendigkeit, die Energieversorgung als oberste Priorität der Stadt Salzburg zu sehen, überzeugt: „Die aktuellen geopolitischen Unsicherheiten zeigen es uns erneut ganz deutlich: Die Energiewende ist nicht nur für den Klimaschutz, sondern auch für die Versorgungssicherheit und Preisstabilität essenziell. Die Darstellungen in der Energiebilanz verdeutlichen, dass wir in allen Bereichen noch große Anstrengungen vor uns haben, um zukünftige externe Preisschocks abzufedern. Hierbei geht es um eine tiefgreifende gesellschaftliche Reform unseres Umgangs mit Energie, die nur unter stabilen Zielsetzungen, Rahmenbedingungen und der Mitnahme der Bevölkerung funktionieren kann.“
Oskar Mair am Tinkhof vom SIR – Salzburger Institut für Raumordnung und Wohnen GmbH: „Bei der Energiebilanz 2024 haben wir erstmals auch die indexierten Energiekosten mit aufgenommen und auch sonst einige Verbesserungen umgesetzt. Dadurch gewinnen wir ein immer besseres Verständnis des aktuellen Zustands des städtischen Energiesystems und können die richtigen Schlussfolgerungen daraus ableiten.“
Die wichtigsten Ergebnisse der Energiebilanz 2024 im Überblick
- Mehr erneuerbare Energie, weniger Auslandsabhängigkeit
Im Stadtgebiet Salzburg lag der Endenergieverbrauch 2024 bei 2.571 GWh (minus 1 % gegenüber 2023). Der Anteil erneuerbarer Energieträger am Primärenergieverbrauch stieg auf 36 %. Die Auslandsabhängigkeit sank auf 51 %. Damit zeigt die Energiebilanz eine Entwicklung, die sowohl klimapolitisch als auch strategisch relevant ist: Mehr regionale und erneuerbare Energieträger bedeuten mehr Unabhängigkeit.
- Energieverbrauch insgesamt stabil – Verschiebung zwischen Wärme und Strom
Ein großer Teil des Energieverbrauchs entfällt weiterhin auf Wärme (Raumwärme, Warmwasser und Prozesswärme). 2024 ging dieser Bereich im Vergleich zum Vorjahr zurück (minus 6 %). Gleichzeitig stiegen elektrische Anwendungen wie Kraft, Licht, EDV/IT und Kleinverbraucher (plus 7 %). Die Bilanz zeigt damit eine Verschiebung, die gut zu allgemeinen Trends passt: mehr elektrische Anwendungen – während Wärme weiterhin einer der größten Hebel bleibt, um Energieverbrauch und fossile Abhängigkeiten zu senken.
- Haushalte entlastet – Gewerbeentwicklung bleibt erklärungsbedürftig
2024 entfielen 35 % des Endenergieverbrauchs auf Haushalte, 41 % auf Gewerbe und 23 % auf Verkehr. In Haushalten sank der Verbrauch um 5 %, der Verkehr blieb in etwa gleich. Im Gewerbe gab es einen Anstieg um 2 %.
Der Bericht nennt als mögliche Einflussfaktoren unter anderem weniger Heizgradtage und einen deutlichen Rückgang des Strompreises. Gleichzeitig wird im Bericht festgehalten, dass der Anstieg im Gewerbe „nicht logisch erklärbar“ ist. Dieser Punkt wird bewusst transparent kommuniziert: Die Energiebilanz ist ein Steuerungsinstrument – sie zeigt nicht nur Erfolge, sondern auch Bereiche, in denen genauer hingeschaut werden muss.
- Erneuerbare legen zu: Fernwärme, Stromsystem und Busflotte als Treiber
Beim Ausbau der Photovoltaik zeigt die Energiebilanz, dass die installierte Leistung im Stadtgebiet 2024 bei 44.923 kWp liegt. Gleichzeitig weist der Bericht darauf hin, dass die Solarthermie-Fläche seit 2019 bei rund 40.605 m² stagniert. Als mögliche Gründe werden unter anderem Preisentwicklungen bei Photovoltaik und die verstärkte Nutzung von Wärmepumpen genannt.
Als Gründe für den Anstieg des erneuerbaren Anteils nennt der Bericht unter anderem:- einen höheren erneuerbaren Anteil bei der Fernwärme,
- Zuwächse bei erneuerbarer Strombereitstellung,
- die Umstellung der Albus-Busflotte auf HVO 100.
- Energiekosten deutlich gesunken – kein Grund, Tempo herauszunehmen
Die indexierten Energiekosten im Stadtgebiet beliefen sich 2024 auf rund 519 Mio. Euro. Das ist ein Rückgang um 45 % gegenüber 2023 – bei einem Verbrauchsrückgang von nur 1 %. Als Haupttreiber nennt der Bericht vor allem gesunkene Energiepreise und eine teilweise Rückkehr zu stabilerem Preisniveau.
Die Energiebilanz ist damit auch ein Reminder: Preise können stark schwanken. Sinkende Preise sind eine Entlastung, dürfen aber nicht dazu führen, dass Umstellung und Effizienz an Tempo verlieren. Wer Abhängigkeiten reduzieren will, braucht Verlässlichkeit bei Maßnahmen – auch dann, wenn die Preislage kurzfristig „entspannter“ wirkt.
Hinweis: Die Kostendarstellung erfolgt mit indexierten Preisen (Basis 2025) ohne Abzug von Förderungen.
- Stadtverwaltung: Vorbildrolle und konkrete Hebel – Photovoltaik-Ziel übertroffen
Der Endenergieverbrauch im Einflussbereich der Stadtverwaltung lag 2024 bei 60 GWh (plus 2 %). Der Anteil erneuerbarer Energieträger am Primärenergieverbrauch liegt bei 36 %, die Auslandsabhängigkeit sank auf 43 %. Der Endenergieverbrauch der Stadtverwaltung entspricht rund 2,3 % des Endenergieverbrauchs des Stadtgebiets.
Der größte Anteil des Energieverbrauchs in der Stadtverwaltung entfällt auf Schulen, danach folgen unter anderem Amtsgebäude, öffentliche Beleuchtung, Sozialzentren und Sportstätten sowie die kommunale Fahrzeugflotte. Beim Anstieg im Wärmesektor nennt der Bericht einen konkreten Grund: Das Krematorium wurde im Oktober 2024 von der Stadtverwaltung übernommen.
Bei der kommunalen Photovoltaik zeigt der Bericht einen klaren Fortschritt: 2024 liegt die installierte PV-Leistung auf städtischen Gebäuden bei 1.276 kWp. Der Zielwert der Solaroffensive wurde bereits 2023 überschritten. Gleichzeitig bleibt die Umstellung im Wärmesektor einer der zentralen Hebel, weil Wärme einen großen Anteil am Verbrauch ausmacht.
Methodik kurz und verständlich
- Endenergie beschreibt jene Energie, die tatsächlich bezogen und genutzt wird (z. B. Strom, Erdgas, Fernwärme, Treibstoffe).
- Primärenergie beschreibt den Ressourcenaufwand, der notwendig ist, damit Endenergie verfügbar wird.
- In der Energiebilanz 2024 wurden für Fernwärme und Strom aktualisierte Konversionsfaktoren verwendet (anders als im Energiebericht 2023), weil sie die aktuelle Situation genauer abbilden und 2023 noch nicht verfügbar waren.
- Der Bericht weist darauf hin, dass Daten rückwirkend korrigiert werden können (z. B. Datenfehler oder methodische Anpassungen).
Politische Einordnung und Handlungsbedarf
Die Energiebilanz 2024 zeigt: Salzburg macht Fortschritte – aber der Umbau ist nicht abgeschlossen. Aus den Ergebnissen ergeben sich vor allem drei Schlussfolgerungen:
- Transformation absichern und beschleunigen
Mehr Erneuerbare und weniger Abhängigkeit sind ein strategischer Vorteil. Der Ausbau regionaler Erzeugung und mehr Energieeffizienz müssen konsequent weitergehen.
- Wärme bleibt der große Hebel
Wärme ist nach wie vor einer der größten Verbrauchsbereiche. Um fossile Energieträger zurückzudrängen, braucht es mehr Tempo bei erneuerbarer Wärme und bei Effizienzmaßnahmen.
- Konkrete nächste Schritte müssen sichtbar werden
Damit aus Trends konkrete Verbesserungen werden, braucht es abgestimmte Maßnahmen für 2026/27 – im Stadtgebiet und in der Stadtverwaltung.
Tobias Neugebauer