Gemeinderat: Wohnleitbild 2040 mehrheitlich beschlossen

16.09.2026
Strategischer Fahrplan für leistbares Wohnen – Gemeinderat beschließt zudem fünf weitere Straßenumbenennungen

Der Salzburger Gemeinderat diskutierte am Mittwoch, 16. September 2026, das neue „Wohnleitbild 2040“ als aktuelles Thema. Es wurde schließlich mit den Stimmen von SPÖ (11), KPÖ (10) und Bürgerliste (5) gegen die Stimmen von ÖVP (8), FPÖ (4), Liste SALZ (1) und NEOS (1) angenommen. Endgültig beschlossen wurde auch die Umbenennung von fünf weiteren Straßen, deren Namensgeber stark nationalsozialistisch belastet sind. ÖVP, FPÖ und Liste SALZ stimmten dagegen.

Dankl: Leitbild mit 80 konkreten Vorhaben

Wohnungsressortchef Vizebürgermeister Kay-Michael Dankl (KPÖ) bezeichnete das Wohnleitbild als strategischen Fahrplan und Arbeitsauftrag für die kommenden Jahre. Im Zentrum stehe die Frage, wie Wohnen in Salzburg wieder leistbarer werden könne. Das Leitbild umfasse rund 80 konkrete Vorhaben und betrachte dabei auch den gesamten Lebenszyklus von Wohngebäuden – von der Errichtung bis zu Sanierungen und langfristigen Betriebskosten.

Bis 2050 sollen in Salzburg rund 12.000 zusätzliche Wohnungen entstehen. Als „Goldstandard“ bezeichnete Dankl unbefristete Mietverträge im geförderten Wohnbau. Gleichzeitig gehe es darum, auch bestehende Wohnungen wieder leistbarer zu machen. Dafür brauche es teilweise Unterstützung auf Bundesebene, etwa beim Mietendeckel.

Lankes (SPÖ): Wohnen ist Grundbedürfnis

Sebastian Lankes (SPÖ) bezeichnete das Wohnleitbild als Wegweiser und Kompass für kommende Generationen. Junge und ältere Menschen sowie Menschen mit Behinderungen sollten in Salzburg gut und sicher leben können. Das gemeinsam mit der Bevölkerung erarbeitete Leitbild zeige durch die Rückmeldungen klar, wo Handlungsbedarf bestehe.

Wohnen sei ein Grundbedürfnis und kein Anlageprodukt. Besonderes Augenmerk müsse auch auf Barrierefreiheit gelegt werden, damit Wohnungen langfristig den Bedürfnissen ihrer Bewohner:innen entsprechen. Lankes sprach sich zudem dafür aus, Hausbesorger:innen wieder stärker mitzudenken, da sie einen wichtigen Beitrag zur Wohnzufriedenheit leisten könnten. Salzburg solle auch künftig eine Stadt sein, die sich Menschen leisten können und in der sie gerne leben: sozial, nachhaltig und lebenswert.

ÖVP vermisst Eigentum und Mietkauf

Susanne Dittrich-Allerstorfer (ÖVP) erklärte, dass aus Sicht ihrer Fraktion zu wenige Anregungen der ÖVP in das Wohnleitbild aufgenommen worden seien. Die ÖVP vermisse insbesondere stärkere Schwerpunkte auf Wohnungseigentum und Mietkauf. Eine Erhöhung der Leerstandsabgabe und einen Mietendeckel lehne die Fraktion ab. Nachverdichtung solle nur mit Augenmaß und unter Wahrung der Wohn- und Lebensqualität erfolgen. Auch private Bauträger seien aus Sicht der ÖVP stärker strategisch einzubinden.

Haller (BL): Mietwohnungen zentral

Inge Haller, Klubchefin der Bürgerliste, verwies auf mehrere laufende und geplante Wohnbauprojekte. Beim Projekt Leiner seien mehrere hundert Wohnungen auf den Weg gebracht worden. Weitere Entwicklungen gebe es unter anderem in der Südtiroler-Siedlung, bei Schneiders und in der Robinigstraße. Mit Eigentumswohnungen etwa in der Zaunergasse werde dabei auch auf einen Mix unterschiedlicher Wohnformen gesetzt.

Geförderte Mietwohnungen seien ebenso wertvoll wie Eigentum. Gerade junge Menschen bräuchten sichere vier Wände, ohne fürchten zu müssen, sich ihre Wohnung bei Veränderungen in der Familie oder im Berufsleben nicht mehr leisten zu können. Die Stadt habe eine soziale Verantwortung, ausreichend Wohnraum zu schaffen.

Dürnberger fordert Bauoffensive

FPÖ-Klubobmann Paul Dürnberger kritisierte, dass das Wohnleitbild zu wenig konkrete Dynamik beim Wohnbau auslöse. Die FPÖ sehe Eigentum als wesentliches wohnpolitisches Ziel. Er forderte stärkere Nachverdichtung, eine Bauoffensive und die vorrangige Berücksichtigung von Einheimischen bei der Vergabe. Bürgermeister Bernhard Auinger verwies in einer Replik auf die Zuständigkeit des Landes in wesentlichen Bereichen der Wohnpolitik.

Ferch für Blockrandbebauung

Christoph Ferch (Liste SALZ) sagte, die tatsächliche Entwicklung der Wohnungsnachfrage müsse beim Räumlichen Entwicklungskonzept nochmals genau betrachtet werden. Bei der Verdichtung sprach sich Ferch für höhere Bebauung aus, um Grünland zu schonen, lehnte dabei aber anonyme Hochhäuser ab. Als geeignetes Modell nannte er Blockrandbebauungen mit Innenhöfen, wie sie etwa in Kopenhagen zu finden seien.

Rupsch: noch nichts bewirkt

Die KPÖ sei mit dem Thema Wohnen erfolgreich in den Wahlkampf gezogen, tatsächlich habe sich aber kaum etwas verändert. Mieten seien weiterhin hoch, es werde zu wenig gebaut und angekündigte Flächen seien „in der Versenkung verschwunden“. Das Wohnleitbild habe bisher noch nichts bewirkt. Die Stadtregierung müsse nun ins Umsetzen kommen, so NEOS-Mandatar Lukas Rupsch.

Fünf weitere Straßen werden umbenannt

Neben dem Wohnleitbild fasste der Gemeinderat auch den endgültigen Beschluss zur Umbenennung von fünf weiteren Straßen: Josef-Thorak-Straße, Hans-Pfitzner-Straße, Erich-Schenk-Straße, Resatzstraße und Erich Landgrebe-Straße. Die bisherigen Namensgeber sind stark nationalsozialistisch belastet. ÖVP, FPÖ und Liste SALZ stimmten gegen die Umbenennungen.

Anhebung Öffi-Tarife und Parkgebühren

Die 2027 geplante Tarifanpassung der Öffi-Tickets in der Kerzone wurde mehrheitlich beschlossen. Ebenso die Erhöhung der Parkgebühren (beides gegen ÖVP, FPÖ und Liste SALZ).

Karl Schupfer