Salzburg wird Living Lab für europäische Mobilitätsforschung mit Jugendlichen

Forschungsprojekt i-MOBYL bringt Salzburg mit Paris und Guildford zusammen – junge Menschen gestalten sichere, gesunde und alltagstaugliche Mobilität mit.
10.06.2026
Salzburg wird zum Living Lab: gemeinsam wird mit Jugendlichen die Mobilität unter die Lupe genommen.
(Symbolbild)

Salzburg wird Teil eines europäischen Forschungsprojekts zur Mobilität junger Menschen: Im Projekt i-MOBYL arbeitet die Stadt Salzburg gemeinsam mit Partner:innen aus mehreren europäischen Ländern daran, die Wege von Jugendlichen besser zu verstehen und konkrete Verbesserungen für sichere, gesunde und selbstständige Mobilität zu entwickeln.
Salzburg ist dabei eines von drei sogenannten Living Labs – neben Paris in Frankreich und Guildford in Großbritannien. Das bedeutet: Hier werden gemeinsam mit Jugendlichen Ideen entwickelt, unter realen Bedingungen getestet und anschließend bewertet. Weitere Partnerstädte sind Eindhoven in den Niederlanden und Basel in der Schweiz, wo vor allem Daten zu Mobilitäts- und Aktivitätsmustern erhoben werden.

Im Mittelpunkt stehen Jugendliche im Alter von 11 bis 15 Jahren. Gerade diese Altersgruppe ist in der Mobilitätsforschung und in der Stadtplanung bisher noch wenig berücksichtigt. Dabei werden in diesem Alter wichtige Mobilitätsgewohnheiten geprägt: Wie selbstverständlich junge Menschen zu Fuß gehen, Rad fahren, öffentliche Verkehrsmittel nutzen oder auf das Auto der Eltern angewiesen sind, entscheidet sich oft genau in dieser Lebensphase.
Planungs- und Verkehrsstadträtin Anna Schiester sagt: „Dass Salzburg gemeinsam mit Städten wie Paris und Guildford Teil dieses europäischen Projekts ist, ist eine große Chance. Wir können hier nicht nur Forschung betreiben, sondern ganz konkret mit Jugendlichen an Ideen und Lösungen arbeiten.“ 

„Living Labs“ sollen Forschung und konkrete Stadtgestaltung verbinden 
Das Forschungsprojekt beschäftigt sich dabei mit sehr praktischen Fragen: Wo fühlen sich Jugendliche am Weg zur Schule unsicher? Welche Strecken werden gerne zu Fuß oder mit dem Rad zurückgelegt? Wo fehlen gute Querungen, Schatten, Sitzmöglichkeiten oder sichere Haltestellen? Wie gut funktionieren Bus und Obus im Alltag junger Menschen? Und welche Wege werden vielleicht vermieden, weil sie kompliziert, unangenehm oder unsicher wirken? i-MOBYL verbindet Mobilitätsforschung, Stadtplanung, Verhaltenswissenschaft, partizipatives Design und Public Health. Untersucht wird, wie die gebaute Umgebung, soziale Faktoren und digitale Angebote die Mobilitätsentscheidungen junger Menschen beeinflussen. Dabei werden unterschiedliche Lebensrealitäten berücksichtigt – etwa Geschlecht, sozioökonomischer Hintergrund und kulturelle Aspekte.

Dabei soll es nicht bei Forschung am Papier bleiben, sondern in „Living Labs“ gemeinsam mit Jugendlichen konkrete Ideen entwickelt, ausprobiert und bewertet werden. Für Salzburg können daraus praktische Ansätze entstehen – etwa für sichere Schulwege, besser gestaltete Schulumfelder, Wohnstraßen, Schulstraßen, mehr Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum oder bessere Bedingungen fürs Gehen, Radfahren und den öffentlichen Verkehr. "Mit der Partizipation der Jugend-Community in Salzburg machen wir junge Menschen zu Mitgestaltenden der Mobilität der Zukunft – denn gerade sie werden bisher noch viel zu wenig eingebunden, obwohl sie die Nutzer:innen von morgen sind." - sagen Ursula Witzmann-Müller von UWM.Mobilität und Lina Mosshammer von POINT& als Koordinatorinnen des Living Lab in der Stadt Salzburg.

Dr. Martin Loidl von der Universität Salzburg ordnet die Relevanz des Projekts für die Mobilitätsforschung ein: „Durch die Zusammenarbeit von Wissenschaftler:innen, jungen Bürger:innen, Unternehmen und der Stadt in einem Living Lab entsteht neues Wissen und Innovationen, die in anderer Form nicht erzielbar wären. Gemeinsam können hier Forschungslücken geschlossen und an zukunftsfitten Städten gearbeitet werden.“ 

Ein wichtiger Bezugspunkt ist das Konzept der 15-Minuten-Stadt: Wichtige Ziele des Alltags sollen gut, sicher und möglichst schnell erreichbar sein – zu Fuß, mit dem Rad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Für Jugendliche bedeutet das mehr Selbstständigkeit im Alltag: ohne immer auf Eltern, Auto oder Umwege angewiesen zu sein.
Michael Schwifcz, Mitarbeiter der städtischen Verkehrsplanung sagt: „Die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Verwaltung ist einer der Key-Faktoren, damit die Mobilitätswende gelingen kann. Lösungen welche von der Wissenschaft erarbeitet werden müssen auch getestet werden und nichts eignet sich zum Testen so gut wie das reale Leben. An dieser Stelle kommt dann die Verwaltung ins Spiel, weshalb es so wichtig ist, dass diese beiden, in ihrer Art komplett unterschiedlichen Institutionen gut miteinander harmonieren. I-Mobyl ist durch die von Anfang an intensive Einbindung der Verwaltung ein wichtiges Projekt, um Forschungslösungen vom Papier in die Realität zu bekommen“

i-MOBYL ist ein transnationales Forschungsprojekt im Programm Driving Urban Transitions Partnership. Das österreichische Konsortium wird vom Mobility Lab am Fachbereich Geoinformatik der Universität Salzburg geleitet. Die Umsetzung und Begleitung des Living Labs in Salzburg erfolgt durch Stadt Salzburg gemeinsam mit UMW.Mobilität und POINT&. i-MOBYL wird finanziert mit Forschungsförderungsmitteln aus dem Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) sowie der Europäischen Kommission, bereitgestellt über die FFG.

Fakten zum Projekt

  • Projektname: i-MOBYL – Faire und gesunde Mobilität für Jugendliche in Städten schaffen
  • Laufzeit: Februar 2026 bis Jänner 2029
  • Zielgruppe: Jugendliche im Alter von 11 bis 15 Jahren
  • Beteiligte Länder: Niederlande, Schweiz, Großbritannien, Österreich, Frankreich
  • Partnerstädte: Eindhoven, Basel, Paris, Guildford, Salzburg
  • Living Labs: Paris, Guildford, Salzburg
  • Koordination: University of Technology Eindhoven
  • Förderung: Driving Urban Transitions Partnership, kofinanziert durch die Europäische Kommission; in Österreich unterstützt durch die FFG beziehungsweise das Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur.

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