23. SMART City Round Table Brunch: Schallmoos neu denken

Mit der Nordspange soll eine neue Ost-West-Radachse die seit Jahrzehnten trennende Wirkung der Bahntrasse zwischen Itzling, Schallmoos und Gnigl überwinden. Besondere Dringlichkeit erhält das Vorhaben durch das Potenzial von rund 2.000 neuen Wohnungen im Gebiet: Für die künftigen Bewohner:innen braucht es von Beginn an eine leistungsfähige Infrastruktur für aktive Mobilität. Anlass für den 23. Smart City Round Table Brunch waren die Ergebnisse des Forschungsprojekts trans|formator:in, das die Auswirkungen unterschiedlicher Planungsszenarien für das Gebiet digital simuliert hat. Durch die Veranstaltung führte Michael Szeiler (con.sens).
Aufbruchstimmung für einen Stadtteil im Wandel
Thomas Prinz eröffnete mit dem Blick auf Schallmoos als großes Transformationsfeld: Klimaresilienz, aktive Stadtplanung und Bürgerbeteiligung seien die Eckpfeiler dieser Aufgabe. Im Jubiläumsjahr, der Round Table Brunch feierte sein zehnjähriges Bestehen, skizzierte Josef Reithofer den Übergang zu Smart City Salzburg 2.0 mit den drei neuen Leitbegriffen Innovation, Nachhaltigkeit und Lebensqualität. Stadträtin Anna Schiester brachte die kommunalpolitische Perspektive ein: In Schallmoos tue sich bereits viel, eine breite Aufbruchstimmung sei spürbar, entscheidend sei nun, den Stadtteil selbst mit seinen Ideen aktiv einzubinden.
Wo ein Auto Platz braucht, gehen 70 Menschen
Harald Frey (TU Wien) eröffnete seine Keynote mit einem einprägsamen Vergleich: Auf der Fläche, die ein einzelnes Auto im Straßenraum benötigt, könnten bis zu 70 Personen zu Fuß unterwegs sein. Historisch war öffentlicher Raum ein Erlebnisraum, besonders für Kinder, mit wachsendem Verkehr wurde er zunehmend zur Gefahrenzone. Freys Botschaft: Transformation ist machbar und lässt sich schrittweise erproben, etwa durch temporäre Umgestaltungen von Straßenquerschnitten. Verbindende Elemente wie Radbrücken seien entscheidend, um eine durchgängige Radkultur zu etablieren.
Von der Vision zur Simulation
Gertraud Gschaider-Größinger (Amt für Stadtplanung und Verkehr) stellte die Nordspange als städtebaulich bedeutsames Projekt vor, weit über eine reine Infrastrukturmaßnahme hinaus: Sie würde die Barrierewirkung der Bahntrasse aufheben und ist angesichts des Wohnungspotenzials zentral für eine zukunftsfähige Mobilität abseits des Autos.
Wie sich diese Zukunft schon heute sichtbar machen lässt, zeigte Günter Gruber (iSPACE plus GmbH) mit dem im Projekt trans|formator:in entwickelten digitalen Planungszwilling: Eine interaktive, GIS-gestützte Visualisierung simuliert Szenarien von Bestand über Nachverdichtung bis zum städtebaulichen Entwurf und macht Effekte auf Fläche, Wohnen und Mobilität unmittelbar erlebbar.
Tempo, Teilhabe und der politische Wille
In der Diskussion herrschte breite Zustimmung zur Nordspange, verbunden mit dem Wunsch nach raschen, sichtbaren Schritten: Mehrfach wurde vorgeschlagen, das Projekt in kleinere Abschnitte zu unterteilen, etwa beginnend mit der Brücke beim Bahnhof. Markus Huber (Koordination Aktive Mobilität) verwies darauf, dass Radwege in der Lastenstraße und entlang der Salzach bereits in Umsetzung seien. Peter Weissenböck (Land Salzburg) ordnete das Projekt überregional ein: Zwei Drittel aller im Land Salzburg gefahrenen Wege werden in der Stadt zurückgelegt, weshalb auch die geplante Radroute von Koppl bis Bad Ischl als wichtiger Zubringer genannt wurde.
Auch aus der Politik gab es klare Stimmen:
- Lukas Bernitz (Bürgerliste) sieht angesichts der wachsenden Bevölkerung in Schallmoos keinen Spielraum für mehr Autoverkehr, eine Priorisierung aktiver Mobilität sei daher unumgänglich.
- Tarik Mete (SPÖ) plädierte dafür, Projekte wie die Nordspange nicht isoliert als Einzelprojekte zu betrachten, sondern sie stets in eine übergeordnete Klammer zu stellen und im Gesamtkontext der Stadtentwicklung zu sehen.
- Hannelore Schmidt (SPÖ) schloss sich dem an und sprach sich für politische Unterstützung des Vorhabens aus, wobei auch der Fußweg als Mobilitätsform nicht unterschätzt werden dürfe.
- Stadträtin Anna Schiester hielt fest, dass ein politischer Grundsatzbeschluss zur Nordspange noch ausstehe, dieser aber im Herbst 2026 angestrebt werde, um das aktuelle Zeitfenster für die Gestaltung des Stadtteils zu nutzen.
Weitere Wortmeldungen aus dem Publikum brachten Ideen zur Steigerung der Akzeptanz ein, etwa eine stärkere Betonung des Gesundheitsaspekts, eine bessere Infrastruktur für Transporträder und die Bedeutung kleinerer Zubringerstraßen für Schulkinder im Sinne des "8 to 80"-Prinzips.
Fazit
Der 23. Smart City Round Table Brunch zeigte, dass die Nordspange als neue Ost-West-Radachse breite fachliche und politische Rückendeckung hat. Was nun zählt, ist Tempo: eine schrittweise Umsetzung und der politische Grundsatzbeschluss, der im Herbst erwartet wird. Der digitale Planungszwilling aus trans|formator:in liefert dafür eine übertragbare Grundlage, die weit über Schallmoos hinausweist.