Parkraumkonzept der Stadt Salzburg
Strategische Weiterentwicklung der Parkraumbewirtschaftung 2026–2036
Am Podium (r.) von hinten nach vorne: Verkehrs- und Mobilitätsplaner Michael Schwifcz, Amtsleiter für Stadtplanung und Verkehr Stephan Kunze, Planungsstadträtin Anna Schiester, Planungs-Abteilungsvorstand Andreas Schmidbaur, Studienleiter der verkehrsplus ZT Jakob Seidler
Die Stadt Salzburg stellt ihr neues Parkraumkonzept vor: einen praxisnahen Handlungsleitfaden für die Weiterentwicklung der Parkraumbewirtschaftung in den nächsten 10 bis 15 Jahren. Das Konzept wurde im Auftrag der Stadt von der verkehrplus ZT GmbH erarbeitet und umfasst einen nationalen und internationalen Vergleich, konkrete Handlungsansätze sowie ein stufenweises Umsetzungsszenario bis 2036. Das Parkraumkonzept ist dabei Teil der Dachmarke „Salzburg verbinden“ – dem übergreifenden Kommunikationsmodell, das alle Mobilitäts- und Verkehrsprojekte der Stadt in den kommenden Jahren bündelt und gemeinsam sichtbar macht.
Parkraum ist ein knappes Gut – und steht in direkter Wechselwirkung mit der Verkehrsleistung, dem Modal Split sowie der Aufenthalts- und Lebensqualität im öffentlichen Raum. Ein modernes Parkraummanagement verfolgt daher sowohl verkehrsplanerische, ökologische, ökonomische als auch stadtentwicklungsbezogene Ziele.
Planungsstadträtin Anna Schiester betont: „Das Parkraumkonzept ist kein Einzelprojekt, sondern zentraler Baustein unseres Mobilitätsplans 2040, an dem wir gerade arbeiten. Damit verfolgen wir ein klares Ziel: dass alle in Salzburg gut und sicher von A nach B kommen, egal ob zu Fuß, mit dem Rad, dem Bus oder dem Auto.
Ein Blick auf andere Städte zeigt: Salzburg hat bei der Organisation und Steuerung des ruhenden Verkehrs noch viel Spielraum. Wien, Graz, aber auch Oslo oder Amsterdam steuern ihren Parkraum deutlich aktiver — und haben damit gute Erfahrungen gemacht, weil sie verstanden haben: Wer Parkraum klug organisiert und bewirtschaftet, hat am Ende mehr Platz für alle.
Genau das wollen wir auch in Salzburg noch stärker angehen. Anrainerinnen und Anrainer sollen einen Parkplatz in ihrer eigenen Straße finden. Geschäfte und Betriebe sollen für die Kundinnen und Kunden gut erreichbar bleiben. Und der öffentliche Raum soll schrittweise mehr werden als eine Abstellfläche — er soll Grünraum, sichere Radwege und Orte zum Verweilen bieten.
Dafür haben wir heute einen realistischen Fahrplan erarbeitet mit dem Anspruch, eine Stadt zu gestalten, in der man in zehn Jahren noch lieber lebt als heute.”
Ausgangslage: Salzburg im österreichischen Vergleich
Im nationalen Vergleich mit Graz, Wien und Bregenz zeigen sich in Salzburg deutliche Potenziale: Die Gebühren sind mit 1,10 Euro pro 30 Minuten vergleichsweise niedrig, die Bewirtschaftungszeiten kurz und die flächenmäßige Abdeckung reduziert. Wien erhebt 1,70 Euro pro 30 Minuten und bewirtschaftet nahezu das gesamte Stadtgebiet. Graz verlangt 1,30 Euro und nutzt ein flexibles Zonensystem mit Blauer und Grüner Zone.
Im internationalen Vergleich mit Oslo, Kopenhagen, Stuttgart, Helsinki und Amsterdam zeigen sich noch deutlichere Unterschiede: Europäische Städte verlangen im Zentrum bis zu 8,00 Euro pro Stunde, bewirtschaften rund um die Uhr und setzen konsequent auf digitale Überwachungssysteme.
| Stadt | Bewirtschaftungszeit | Gebühr / 30 Min. | Max. Dauer | Parkstrafe |
|---|---|---|---|---|
| Salzburg | Mo–Fr, 9–19 Uhr, Sa, 9–16 Uhr | 1,10 Euro | 3 h | 30 Euro |
| Graz | Mo–Fr, 9–20 Uhr, Sa, 9–13 Uhr | 1,30 Euro | 3 h | 24 Euro |
| Wien | Mo–Fr, 9–22 Uhr | 1,70 Euro | 2 h | 42 Euro |
| Bregenz | Mo–Fr, 8–12 und 13:30–23 Uhr | 0,85 Euro | 1,5 h | – |
Abteilungsvorstand Andreas Schmidbaur erklärt: „Um die Verkehrswende hin zur klimaneutralen, lebenswerten Stadt auch tatsächlich schaffen zu können müssen viele unterschiedliche Verbesserungs-, aber auch Regulierungs-Maßnahmen gesetzt werden. Eine konsequente, steuernde Parkraumbewirtschaftung gehört zwingend dazu.“
Dass Salzburg im Vergleich mit anderen Städten deutlich niedrigere Gebühren und kürzere Bewirtschaftungszeiten aufweist, ist kein Versäumnis – sondern Ausgangspunkt für eine gezielte, bedarfsgerechte Weiterentwicklung. Im Vordergrund stehen dabei Verkehrslenkung, Lebensqualität und Klimaschutz, nicht die Steigerung städtischer Einnahmen.
„Strengere Regelungen von Kurzparkzonen sind kein Selbstzweck, sondern ein gezieltes Instrument zur Steuerung urbaner Mobilität und Hebel für Lebensqualität, Klimaschutz und soziale Ausgewogenheit in der Stadt“, fügt Amtsleiter Stephan Kunze hinzu.
Stellschrauben: Wie Parkraum gesteuert werden kann
Das Konzept zeigt fünf wesentliche Hebel, mit denen die Stadt Salzburg die Parkraumbewirtschaftung wirkungsvoll weiterentwickeln kann:
- Veränderung der maximalen Parkdauer: Kürzere Höchstparkdauern (z. b. von 3 auf 1,5 Stunden) erhöhen den Stellplatzumschlag und verbessern die Verfügbarkeit für Kund:innen und Besucher:innen.
- Erhöhung der Parkgebühren: Eine Angleichung an das Niveau vergleichbarer Städte lenkt die Nachfrage und erhöht die Einnahmen aus der Parkraumbewirtschaftung.
- Ausweitung der Bewirtschaftungszeiten: Die Einbeziehung von Abendstunden, Samstagen und Sonntagen steuert auch touristischen und veranstaltungsbezogenen Parkverkehr.
- Ausweisung von Bewohner:innenstellplätzen: Reservierte Stellflächen für Anrainer:innen schützen Wohngebiete vor Fremd- und Pendlerparken.
- Reduktion von Stellplätzen: Die Umwidmung von Parkflächen zugunsten von Grünraum, Radwegen und Aufenthaltsräumen unterstützt langfristige Stadtentwicklungsziele.
Drei Entwicklungsstufen bis 2036
1. Stufe – 2026 bis 2028: „Kurzfristige Ausweitung“
Die erste Entwicklungsstufe umfasst Maßnahmen, die bereits zum Großteil innerhalb der Stadt abgestimmt wurden und kurzfristig umgesetzt werden sollen:
- Ausweitung gebührenpflichtiger KPZ: Umfeld LKH sowie Teilbereich Schallmoos
- Ausweitung gebührenfreier KPZ: Bereiche Liefering, Maxglan, Nonntal und Parsch
- Gebührenerhöhung: Anhebung auf 1,30 Euro pro 30 Minuten ab 2028
- Digitalisierung: Kennzeichenbasierte Parkscheinautomaten (ohne Papierticket) und digitale Ausnahmegenehmigungen
- Begleitkampagne: Informations- und Kommunikationsmaßnahmen zur Bewusstseinsbildung unter „Salzburg verbinden“
2. Stufe – 2029 bis 2032: „Altstadt und flächige Bewirtschaftung“
Die zweite Stufe baut die Steuerung im Stadtzentrum deutlich aus:
- Altstadt-Tarifzone: Eigene Tarifzone für Altstadt, Riedenburg, Mülln, Imbergstraße und Nonntal mit höheren Tarifen (1,50–1,70 Euro / 30 Min.), kürzerer Höchstparkdauer (1,5–2 h) und ausgedehnten Bewirtschaftungszeiten (werktags bis 21 Uhr, Sa bis 12 Uhr)
- Weitere KPZ-Ausweitung: Gebührenpflichtige Erweiterung in Schallmoos, Lehen, Maxglan/Riedenburg, Altstadt und Parsch; gebührenfreie Erweiterung in Itzling, Taxham, Leopoldskroner Moos, Gneis/Morzg, Aigen und weiteren Bereichen
- Sonderregelung Geschäftsstraßen: z. b. Nonntaler Hauptstraße mit ausreichenden Lade- und Lieferzonen
- Volldigitalisierung: Flächendeckende Umstellung aller Parkscheinautomaten auf Kennzeicheneingabe – kein Papierticket mehr in Salzburg
- Scan-Fahrzeug: Pilotprojekt zur fahrzeugbasierten Parkraumüberwachung
3. Stufe – 2033 bis 2036: „Sukzessive Ausweitung und Evaluierung“
Die dritte Stufe reagiert auf die Erfahrungen der Vorjahre und weitet die Bewirtschaftung weiter aus:
- Sukzessive Ausweitung gebührenpflichtiger KPZ in weiteren Stadtbezirken (Schallmoos, Itzling, Lehen, Mülln, Maxglan, Riedenburg, Nonntal, Salzburg Süd, Parsch, Aigen)
- Ausweitung der Bewirtschaftungszeiten auf Samstag und Sonntag, insbesondere in der Altstadt zur Steuerung der Tourismusverkehre
- Weitere Gebührenanpassungen entsprechend der allgemeinen Preisentwicklung
- Vereinzelte Reduktion von Stellplätzen zugunsten von Grün- und Aufenthaltsflächen
- Verstärkter Einsatz von Scan-Fahrzeugen in weitläufigen Außenbezirken
Verkehrs- und Mobilitätsplaner der Stadt Salzburg, Michael Schwifcz, unterstreicht: „Parkraummanagement ist einer der wichtigsten Bestandteile des in Ausarbeitung befindlichen Mobilitätsplan. Mit der vorliegenden Studie haben wir eine gute Ausgangslage geschaffen, dass wir in den nächsten Jahren schnell darangehen können das Parkraummanagement in der Stadt Salzburg auf neue Beine zu stellen, um das wichtige Gut des öffentlichen Raums effizient im Sinne aller Verkehrsarten zu nutzen. Gleichzeitig soll durch das Parkraummanagement aber auch der generelle KFZ – Verkehr in der Stadt Salzburg reduziert werden.“
Digitalisierung: Effizienz und Nutzerfreundlichkeit
Ein wesentlicher Schwerpunkt des Konzepts liegt auf der Digitalisierung der Parkraumbewirtschaftung und -überwachung. Nationale und internationale Pilotprojekte zeigen, dass digitale Systeme erhebliche Effizienzgewinne ermöglichen, Kontrollkosten senken und die Nutzerfreundlichkeit erhöhen:
- Kennzeichenbasierte Parkscheinautomaten: Statt Papierticket wird das Kfz-Kennzeichen am Automaten eingegeben und digital gespeichert. Erprobt seit November 2025 in Graz (Projektkosten: rund 15.000 Euro). Bei positivem Verlauf soll die Lösung auf weitere Zonen ausgeweitet werden.
- Digitale Ausnahmegenehmigungen: Ausstellung und Kontrolle von Bewohner:innen-, Betriebs- und Sonderparkgenehmigungen künftig ausschließlich digital.
- Scan-Fahrzeuge: Fahrzeuge mit kameragestützter Kennzeichenerkennung (bis zu 1.000 Fahrzeuge pro Stunde) reduzieren den Kontrollaufwand deutlich. Wien plant den Einsatz von vier Scan-Cars ab Ende 2026; Heidelberg betreibt seit August 2025 ein flächendeckendes System.
- Digitale Parkscheibe: App-basierte Eingabe von Ankunftszeit und Kennzeichen für gebührenfreie Kurzparkzonen.
Erwartete Wirkungen
Ein modernes Parkraummanagement erzielt in der Stadt Salzburg folgende wesentliche Wirkungen:
- Sicherung der Stellplatzmöglichkeiten für Bewohner:innen und gewerbliche Nutzungen
- Entlastung des öffentlichen Raums durch Verringerung von Dauerparken und Parksuchverkehr
- Verbessertes Stellplatzangebot für Kund:innen und Besucher:innen in Geschäfts- und Dienstleistungsbereichen
- Modale Verlagerung vom motorisierten Individualverkehr hin zu Fuß, Rad und öffentlichem Verkehr
- Schaffung von Flächen für Grünraum, Rad- und Fußweginfrastruktur sowie Aufenthalts- und Verweilräume
- Erhöhung der Einnahmen aus der Parkraumbewirtschaftung
- Langfristige Unterstützung der Stadtentwicklungsziele gemäß Mobilitätsstrategie, Klimaneutralitätsfahrplan und Mobilitätswende
- Beitrag zur Dachmarke „Salzburg verbinden“: Das Parkraumkonzept macht die Mobilitätswende konkret erlebbar – als Teil einer gesamtstädtischen Strategie.
„Die Weiterentwicklung der Parkraumbewirtschaftung ist ein zentraler Baustein für eine zukunftsfitte und lebenswerte Stadt Salzburg. Internationale Beispiele zeigen, dass sie zu den effektivsten Instrumenten der Verkehrssteuerung zählt. Entscheidend ist dabei das abgestimmte Zusammenspiel und die schrittweise Umsetzung aller Maßnahmen – nur so entsteht ein langfristig wirksames Gesamtsystem“, unterstreicht Studienleiter von verkehrsplus ZT Jakob Seidler.
| Stufe | Zeitraum | Schwerpunkt |
|---|---|---|
| 1. Stufe | 2026 - 2028 | Kurzfristige Ausweitung, Gebührenerhöhung, Start der Digitalisierung |
| 2. Stufe | 2029 - 2032 | Altstadt-Tarifzone, flächige Bewirtschaftung, Volldigitalisierung |
| 3. Stufe | 2033 - 2036 | Sukzessive Ausweitung, Scan-Fahrzeuge, Evaluierung und Anpassung |
Lapuch Laura BA