ZWISCHENSPIEL: Fünf Projekte verwandeln Leerstand in kreativen Arbeitsraum
36 Einreichungen für neues Förderprogramm der Stadt Salzburg – Jury wählte Projekte aus Design, Theater, Magazin, Mode und Game Design aus
Die Stadt Salzburg bringt mit dem neuen Programm ZWISCHENSPIEL Bewegung in den Leerstand und schafft dringend benötigten Raum für Künstler:innen und Kreative. Eine Jury hat nun aus 36 fristgerecht eingereichten Projekten fünf Vorhaben ausgewählt, die ab 1. Oktober 2026 Räume im ehemaligen Seniorenwohnhaus Hellbrunn beziehen können.
Der Call setzt inhaltlich an der Schnittstelle zwischen Kultur und Kreativwirtschaft an und entstand aus einem zentralen Anliegen der Kulturstrategie: Künstler:innen und Kreativschaffende brauchen mehr Raum, um Ideen zu entwickeln, Projekte zu erproben und den Schritt in die Umsetzung zu schaffen. Leerstehende Räume dafür zu öffnen, ist ein konkreter Ansatz, um vorhandene Ressourcen sinnvoll zu nutzen und gleichzeitig die freie Kultur- und Kreativszene in Salzburg zu stärken.
„Mit ZWISCHENSPIEL zeigen wir, wie aus Leerstand neuer Möglichkeitsraum wird. Die große Zahl an Einreichungen macht deutlich, wie viel kreative Energie in Salzburg vorhanden ist – und wie wichtig es ist, dieser Energie auch Platz zu geben. Die ausgewählten Projekte stehen für eine junge, vielfältige und zukunftsorientierte Kulturstadt“, betont der Bürgermeister.
36 Einreichungen, zehn Hearings, fünf ausgewählte Projekte
Bis zum Ende der Einreichfrist am 16. Juni 2026 wurden insgesamt 36 Projekte für ZWISCHENSPIEL eingereicht. Zehn Projektgruppen wurden anschließend zum Hearing am 26. Juni 2026 eingeladen und präsentierten ihre Ideen vor der Jury. Diese setzte sich aus der Steuerungsgruppe zur Umsetzung der Kulturstrategie zusammen.
Ausgewählt wurden fünf Projekte, die ab 1. Oktober für zunächst sechs Monate ehemalige Bewohner:innenzimmer im ehemaligen Seniorenwohnhaus Hellbrunn nutzen können. Vergeben werden drei Räume mit jeweils rund 13 Quadratmetern sowie zwei größere Büroeinheiten mit jeweils zwei verbundenen Räumen und insgesamt rund 26 Quadratmetern. Pro Raum fallen Betriebskosten in der Höhe von 65 Euro pro Monat an.
Begleitet werden die Projekte durch ein individuell abgestimmtes Coachingprogramm im Ausmaß von zehn Stunden. Zusätzlich werden passende Mentor:innen gesucht, die die Projektgruppen in ihrer Entwicklung unterstützen. Nach sechs Monaten präsentieren die Teilnehmer:innen den Zwischenstand ihrer Arbeit. Bei erfolgreicher Präsentation und einer klaren Umsetzungsperspektive können die Gruppen die Räume für maximal weitere sechs Monate nutzen und erhalten ein Umsetzungsbudget von bis zu 5.000 Euro pro Projekt.
„Viele kreative Vorhaben brauchen am Anfang nicht nur eine gute Idee, sondern auch Zeit, Raum und professionelle Begleitung. Genau hier setzt ZWISCHENSPIEL an. Das Programm gibt den ausgewählten Projektgruppen einen geschützten Rahmen, um ihre Arbeit weiterzuentwickeln, unternehmerische Fragen zu klären und aus einer Idee ein tragfähiges Projekt zu machen“, sagt Dagmar Aigner, Abteilungsvorständin für Kultur, Bildung und Wissen.
Die ausgewählten Projekte
- Entwicklung Workshop Bildkompetenz
Die Kommunikationsdesignerinnen Anja Braun, Alina Traun und Anja Gutschmidt, allesamt Absolventinnen der FH Salzburg, entwickeln einen Workshop, der Jugendlichen Bildkompetenz vermittelt. Im Zentrum steht die Frage, wie Bilder wirken, Aufmerksamkeit erzeugen, Emotionen auslösen und Bedeutungen formen.
Bilder sind längst eines der wichtigsten Kommunikationsmittel unserer Gesellschaft. Sie prägen politische Debatten ebenso wie persönliche Entscheidungen. Dennoch wird der Umgang mit visueller Kommunikation bisher deutlich weniger vermittelt als Lesen, Textverständnis oder Interpretation. Genau hier setzt das Projekt an: Jugendliche sollen lernen, visuelle Botschaften bewusster einzuordnen und kritisch zu hinterfragen.
Gerade im Zusammenhang mit Desinformation und „Fake News“ geht es dabei nicht nur um die Frage, ob etwas wahr oder falsch ist. Entscheidend ist auch, wie Bilder wirken, bevor Fakten überhaupt geprüft werden. Bildkompetenz wird damit zu einer wichtigen Fähigkeit für demokratische Widerstandsfähigkeit.
- Die Theaterbande
Sieben in Salzburg ansässige Kulturschaffende wollen mit „Die Theaterbande“ neue Formen gemeinschaftsorientierter, künstlerischer und interdisziplinärer Arbeit entwickeln. Das Team besteht aus Studierenden und Absolvent:innen des Masterstudiengangs Applied Theatre am Mozarteum: Tin Blümke, Nina Dalbazi, Anastasiia Larina, Sophie León Pellegrin, Salome Roithinger, Alexandra Leonie Kronberger und Rosemary Kilima.
Die Gruppe arbeitet community-basiert in und mit Salzburg. Ihre Recherche startet dort, wo die künstlerische Arbeit später auch wirken soll: bei den Orten und Menschen im Nonntal. Dabei bringt die Theaterbande unterschiedliche Herkunftsländer, berufliche Hintergründe und künstlerische Disziplinen zusammen.
Die Bandbreite reicht von generationenübergreifender Arbeit über aktivistisches Theater und dokumentarische Praxis bis zu partizipativen Installationen. Aus dieser Vielfalt an Methoden und Perspektiven soll ein künstlerischer Arbeitsprozess entstehen, der lokale Verwurzelung und internationale Erfahrung verbindet.
- „Hartgehen“
Mit „Hartgehen“ wollen die FH-Salzburg-Studierenden Gabriel Röck und Laurenz Wagner der lebendigen Salzburger Kunst- und Kreativszene ein gedrucktes Kunst- und Kulturmagazin widmen. Im Fokus stehen freie Initiativen, Ateliers, Musik, Film, Design, Fotografie und Medienkunst.
In Salzburg entstehen laufend spannende künstlerische Arbeiten, die oft nur innerhalb kleiner Szenen sichtbar werden. Hartgehen möchte diese Arbeiten nicht nur abbilden, sondern auch die Menschen, Prozesse, Haltungen und Arbeitsumfelder dahinter zeigen.
Mit einer Kombination aus Fotografie, Interview, Text und Editorial Design soll ein Magazin entstehen, das eine persönliche und zugleich professionelle Annäherung an die porträtierten Künstler:innen ermöglicht. Damit leistet das Projekt auch einen Beitrag zur Sichtbarkeit der freien Szene in Salzburg.
- V3 – modulare Streetwear
Jonas Goschnik, Absolvent des Kollegs für nachhaltiges Modedesign an der Modeschule Hallein, entwickelt mit „V3“ ein System für maßgeschneiderte, modulare Streetwear. Ziel ist ein Prozess, der individuelle Mode ermöglicht und gleichzeitig ökologische, soziale und ökonomische Nachhaltigkeit berücksichtigt.
Im Zentrum steht nicht ein fertiges Produkt, sondern ein flexibles System. Kund:innen sollen unterschiedliche Elemente individuell kombinieren können – etwa Schnittvariationen, Materialien, Farbgestaltung, handwerkliche Veredelung, Oberflächenstrukturen und grafische Elemente.
Durch die direkte Einbindung der Kund:innen in den Entstehungsprozess soll ein stärkeres Bewusstsein für Material, Verarbeitung und Herstellung entstehen. Das Projekt sucht damit einen Weg zwischen Maßanfertigung und klassischer Serienproduktion.
- Videospiel „808cc“
Das junge Indie-Game-Studio let us sprout entwickelt mit „808cc“ ein Multiplayer-Arena-Spiel für PC und Nintendo Switch 2 im Cartoon-Stil weiter. Das sechsköpfige Team besteht aus Bernadette Erkinger, Christoph Schafzahl, Konstantin Trinh, Lea Unterholzner, Lukas Penz und Michelle Raab und bringt unterschiedliche Kompetenzen von Game Design bis Multimedia Technology ein.
Das Spiel verbindet digitale Kunst, Interaktivität und moderne Technologien. Inhaltlich ist es stark in der Popkultur verwurzelt und spielt in einer retro-futuristischen Welt des Jahres 2099. Nach dem Zusammenbruch einer gigantischen Bergbauindustrie hat sich eine zweigeteilte Gesellschaft entwickelt: Während die Elite in der „Golden City“ lebt, entstand aus den industriellen Ruinen die „Razed City“.
Dort werden umgebaute Maschinen und Fahrzeuge zu Symbolen von Freiheit und Identität. Das Projekt zeigt, wie Game Design heute künstlerisches Erzählen, Technologie und gesellschaftliche Themen miteinander verbinden kann.
ZWISCHENSPIEL als Impuls für die Kulturstadt
Mit ZWISCHENSPIEL schafft die Stadt Salzburg ein neues Format zwischen Raumförderung, Projektentwicklung und Kreativwirtschaft. Das Programm richtet sich an Künstler:innen und Kreativschaffende, Einzelpersonen, EPUs, kollaborative Zusammenschlüsse, Studierende am Ende des Studiums sowie gründungsinteressierte Personen.
Die ausgewählten Projekte zeigen die Breite der Salzburger Kultur- und Kreativszene: von visueller Bildung über community-basiertes Theater und Kulturjournalismus bis zu nachhaltigem Modedesign und Game Development. Damit wird das ehemalige Seniorenwohnhaus Hellbrunn ab Herbst zu einem temporären Arbeitsort für neue Ideen, junge Netzwerke und kreative Zukunftsperspektiven.
Lapuch Laura BA